Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 20 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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158 LITERATURBLATT No. 20 Literaturbericht Vom Jahresbeginn an wird die Palästinazeitschriit ALTNEULAND als Beilage zu der WELT und gleichzeitig in russischer Übersetzung als Beiheft zu JEWREJSKAJA SHISN erscheinen. Lamilie Hirschwald, Jüdische Komödie in vier Aufzügen von Dr. Martin Friediänder. Berlin SW., Paul Raatz & Co. In dem Prospekte der Verlagsbuchhandlung wird die Komödie als ein Theaterstück bezeichnet und ״den in Betracht kommenden Vereinen“ zu Aufführungen empfohlen. Damit ist der Kritik der Massstab gegeben,, den sie anzulegen hat. Wir können der Empfehlung der Verleger die unsere wärmstens hinzufügen. Das Stück ist flott geschrieben, hervorstechende Typen der heutigen jüdischen Gesellschaft sind heiter erfasst und* die Tendenr an der Hand der Fabel hübsch demonstriert. Wir zweifeln nicht,' dass das sich über das Niveau der durchschnittlichen Gelegenheitsstücke weit erhebende Spiel bei Aufführungen in nationaljiidischep Vereinen seine Bühnenwirksamkeit durchaus bewähren wird. Die vier Aufzüge sind nur kurz, so dass man die Komödie bei Makkabäer- und Puiimfeier sehr gut spielen kann. L. B . . . h. A. Kistner: Der Kalender der Juden. Vollständige Anleitung zu seiner Berechnung für alle Zeiten. Broschiert Mk. 2,50, eleg. geh. Mk.3.—. Verlag d. Hofbuchhandlung Friedrich Gutsch, Karlsruhe. 1905. Der Verfassen ist Professor an der Grossherzoglichen Realschule zu Sinsheim a. E., und wir gehen wohl kaum in der Annahme fehl, dass der, Mathematikunterricht in seinen Händen ruht. Wenn das der Fall ist, so werden wir voraussetzen dürfen, dass aus seiner Schule gute Mathematiker hervorgehen. Denn die klare Art, wie der Verfasser des ״Kalenders der Juden” den Einblick gewährt in die Kalenderberechnung, weist darauf hin, dass er nicht nur hier bei den schriftlichen Darlegungen es versteht, sich klar und verständlich auszudiSiicken und ohne WeitschweifigkeitOT der Sache auf den Kern zu gehen. Das grosse Publikum wird nach wie vor freilich die bequemen Tabellen von Cohen-Rees und anderen den besten Berechnungsarten vorziehen und sich von den eigenen Excmpeln fernhalten. Aber allen, die die Mühe nicht scheuen, sich ein eigenes Bild vom Judenkalender machen zu wollen, die gern auch das historische Werden und die Technik der Kalenderberechnung kennen 1ernen wollen, werden jetzt neben Max Simons Arbeit das Kistnersche Buch gern benutzen und vielleicht sogar mit mehr Vorteil, weil Kistner mehr Beispiele gibt. Die mathematischen Beweise, sowie eine eingehendere astronomische Untersuchung für den jüdischen Kalender wird Kistner an ander'er Stelle veröffentlichen. In der Arbeit fehlt das, was Kistner das ״religiöse Moment” nennt, und das in jedem Lehrbuch der jüdischen Rehgion behandelt sei. Trotz dieses kleinen Fehlens — nicht Fehlers — wolien wir und. können wir mit gutem Gewissen die Kistnersche Schrift über den Kalender der Juden weitgehender Beachtung empfehlen. H. S. Misrachah. Nach Osten! Eine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina. Reisebericht von Rabbiner W. Reich. Baden bei Wien. Frankfurt a. M.: .1. Kauffmann 1905. (VI., 60 S.) 8. Preis 1 Mk. Die jüdische Gesellschaftsreise vom Frühjahr 1905 war nur so in flüchtiges Durcheilen eines kleinen Teiles des kleinen Heimatlandes des Jüdischen Volkes. Und doch hat sich schon beinahe eine kleine Literatur an sie a'hgelehnt, so dass der Erfolg dieser Reise und der in Aussicht stehende Erfolg der woh’l bald folgenden Reiseunternehmungen den Veranstalter der ersten in kleinster Zahl von Deutschland aus unternommenen jüdischen Gesellschaftsreise nach Palästina über seinen grossen