Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 20 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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154 LITERATURBLATT No. 20 Jüdischen Volkes als im Rate der Völker ebenbürtig erwartete, so erwuchs im Kreise gleichgestimmter Schöngeister der erste Anfang einer zukünftiger! Renaissance. Hierzu trug ganz besonders Bayern bei, wie andererseits die jüdisch© Wissenschaft und dieser eben angedeutete Humanismus des Judentums ihre besten Kräfte aus dem deutschen Teile Schlesiens, besonders aus Gross-Glogau holten. Ein Süddeutscher war der Rabbiner Joseph Schwarz, den seine Zionssehnsucht nach Palästina getrieben hatte, wo er die erste Geographie Palästinas aus den Händen eines modernen Juden verfertigte. Seine ganze Familie, die in Hiirben ihre Heimat hatte, hing eng und innig an diesen Be- Strebungen, ganz besonders sein Neffe, ■Israel Schwarz, der sich bereits als Student durch sein mutiges Eintreten für die EmanzipaEon der Juden einen bekannten Namen gemacht hatte. Seine Jordansklänge stehen schon! hoch über den Wihlscheo Westöstlichen Schwalben, was Poesie und Schwung der Begeisterung' betrifft. Das bekannteste und wohl auch das schönste seiner Lieder ist Am Jordan. Mein Herz ist am Jordan im heiligen L^id, Wo eh'dem die Wiege der Jugend uns stand; Wo der Himmel! so blau, wo die Sonne so glüht, Und in Saaron die Rose so purpurrot blüht, Wo abwärts gewehet das Siegespauier, Wo ich bin, wo ich gehe, mein Herz ist bet dir! Ich grüss’ dich, o Salem, du Perle der Welt, Ich grüss’ d:ch, o Tempel, du göttliches Zelt; Da Könige knieten und die Priester gefleht, Da der Heide erleuchtet den Irrtum gesteht. — Das fröhliche Volk wallt zum Feste hinan: Der Herr hat schon wieder ein Wunder getan. Dich pneis’ ich, o fürstliche Burg von Zion, Da stehst du noch heute Barbaren zum Hohn. Weil ein David hier sang und seine Psalmen geweiht, Und die Blüten der heiligen Dichtung gestreut. 0! W’är’ ich dein Epheu,, der rankt ums Spalier, Wo ich bin, wo ich gehe, mein Herz ist bei1 dir. Doch wehe, wohin auch mein Auge jetzt schaut, Erblickt es nur Trümmer verolmt und vergraut. Wie die Nachteule heult, wie die Unkenbrut geilt, Wie der Araber den Wanderer frech überfällt• Ach Gott! Deine I,aube zernagte der Wurm, Zerwühlt hat dein Erdreich ein feindlicher Sturm.