Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 18 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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142 LITERATURBLATT No. 18 Mit!echt Laverrenzschen Humor wird, eine Schilderung der Frühlings- 0!ie;ntreise gegeben, in der zwar die Charaktere oft grell karrikiert hiervortreten, in der meist mit sehr dicken Farben die Landschaftsschilderungen aufgetragen, di e Zustände in der Türkei, beispielsweise ,allzu trist wiedergegeben werden, die aber doch recht waÄr geblieben ist, so weit Karrikiatur und Witz die Wahrheit zulassen. Und es fehlt nicht an Gemüt in dieser lustigen Darstellung, die nicht an falscher Stelle spottet. Das sind die Charaktere, die jeder Reisende zur Genüge kennt, der einmal seinen Fass zu einer Orientreise auf ein Schiff gesetzt hat. Das sind dieselben Szenen, die jeder von uns angesehen hat, der das Mittelmeier ganz oder zum Teil umfahren hat. Nur waren wir nicht immer der Lage, die kleinen und grossen Zwischenfälle mit Lavernenzschem Humor aufzunehmen. Was für ein liebenswürdiger Kerl ist sein Baumeister Schultze aus Berlin, der zwar etwas ins Groteske übertrieben, darum aber nicht minder lebenswahr ist. Und nicht blossder Herr Schultze ist es, der in der Sophienmoschee die Andacht der Muslims stört. Bei jedem Besuche mit Europäern hatten wir dort die!gleiche Rücksichtslosigkeit zu beklagen, die eben in der Kirche sich nirgends zeigte, aber Synagogen und Moscheen für unheilig leirachtet. Dafür hat uns aber die Lektüre des Laverrenzschen Buches nicht bloss durch einige köstliche Stunden entschädigt, sondern es ist jedem warm zu empfehlen, der in Länder eine Reise machen will, in denen man nicht ohne eine gewisse Portion gesunden Humors vor Enttäuschungen geschützt bleibt. Fs ist die gebotene Reiselektüre für jeden Mittelmeer- und Orie,ntreisenden, der oft genug in die Versuchung kommen wird, zu glauben, dass die Cookschen und Stangensehen Reisen nur das Laverrenzsche Buch kopieren soiien. Der Stadtrat Klemzig aus Meissen ist freilich die böse Begleitung, die!man unter allen möglichen Namen und Titeln auf Reisen findet, die Rücksichtslosigke.it und verkörperte Einbildung. Im Eisenbahnkupee, auf dem Schiffe und überhaupt auf der Reise zeigt sich die Rücksichtslosigkeit dieser Rücksichtslosen iiimmer am krassesten, und es ist' leider nicht grade ein!Ehrentitel der Deutschen, dasssie bei Reisen im Auslande viel mehr diese hässliche Charaktereigenschaft zeigen als Angehörige anderer Nationen. Auch ■im Hinblick auf die: notwendige Volkserziehung in diesem Sinne ist die L u s 1ii. g e Orfientfahrt ein nicht zu gering zu veranschlagendes Werk. Je weiter sie sich verbreitet, um so mehr wird sie dazu beitragen, die ״Reisenden“ zu erziehen zu einer gewissen Rücksichtnahme und zu dem Bewusstsein, dass es einer grossen Nation angemessener ist, wenn sie sich durch feine Rücksichtnahme auszeichnet als durch harte Ellenbogen in die Seiten der Umstehenden. Peregrinus Orientalis. La raetaphysiique de Maimonide parLouis-Qermain Levy, Rabbin de Dijon, Docteur es lettres. Dijon 1905: Barbier-Mariliier. (148 S.) 8. Preis 2,50 Francs. Trotzdem Maimonides eine so hervorragende Stelle in der jüdischen mittelalterlichen Philosophie einnimmt, ist er trozdem in seiner Tot-al-ität niemals richtig dargesteillt worden. Immerhin soll das grosse Verdienst eines Salomo Munk um die Ausgabe und die Uebersetzung des Dalälat alchajirln nicht verkleinert werden. Aber es fehlte bisher an -einer übersichtlichen und wissenschaftlich durchgearbeiteten Arbeit über die maimimische Phiilosophile, insbe-sondere seiner Metaphysik, die hier in ebenso systematischer wie iibersichtlicser und eingehender Darstellung gegeben wird. Zwar hat der Autor fast ausschliesslich sich von dem Führer der Verirrten führen lassen, wozu ja die Munksche Ausgabe direkt ei-nläd, und hat andere Werke unseres Philosophen, die nicht direkt philosophischier Natur sind, nur gelegentlich angezogen, — dafür aber ausgiebig das Verhältniszur aristotelischen Philosophie an der Hand der Quellen nachgewies-en, — aber das- Biild ist gleichwohl ein vollständiges geworden. Düe flies,sende Sprache macht die Lektüre sehr angenehm und täuscht