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Jüdische Rundschau · 1905-11-03 · 17 (3.11.1905) · p. Seite 130

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
17 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 No. 1 LITERATURBLATT Männer, die eine Lösung: aus dem sozialen Elend der heutigen Welt suchen. So stehen denn in dem soeben von dem Jüdischen Verlage1 herausgegebenen Sammelbande ״Moses“ jüdische und «ichtjüdischei Meister und Schriftsteller neben einander. Durch die Eigenart dier gewaltigen Gestalt, die sie darzustelle«, versuchen, vereinigen sie sich zu einem einheitlichen Ganzen.!Eingeleitet wird das Werk durch ein Meisterwort Heines, der, wie er alle jüdische Grösse verstand als echter Nationaljude, auch die Grösse Moses empfand. Er erfasste ihn als den Schöpfer Israels, als den Künstler״ dessen Kunstwerk die Menschenpyramide war, den Menschenobelisk, das grosse, ewige heilige Volk. Freilich!hätte man auch eine andere nicht minder schöne Stelle Heines heranziehen sollen: ״Einer nur, ein einz’ger Held, Gab uns meihr und gab uns Bess’res Als Kolumbus, das ist jener, Der uns einen Gott gegeben. Sein Herr Vater, der hiess Amram, Seine Mutter hiess Jochebeth, Und er selber, Moses heisst er, Und er ist mein bester Heros.” Auch war es nicht nötig, dass der Jüdische Verlag erst Henry Georges Moses, der Gesetzgeber, aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen Hess. Es existieren bereits gute und einwandsfreie Ueber- Setzungen. Aber damit ist auch bereits alles erschöpft, was man gegen das neue hervorragende Werk des Jüdischen Verlages sagen kann. Vier Abhandlungen sind es, die zu einem Gesamtbilde vereinigt sind, nicht durch Redaktion, sondern lediglich durch ihre1 Zusammenstellung. Voran stehlt Gelbers Moses-Befreier. Und das mit Recht. Denn die Befreiungstat war die Voraussetzung aller andern Taten und doch auch; der Selbstzweck. Denn Moses ist nur zu begreifen, wenn man sich in die grosse Psyche des Mannes vertieft, der den Aegypter, der seine« Stammesgenossen unterdrückte, erst einmal erschlug. Die Befreiungstat ging im Entschluss und in der Ausführung voran. Dann folgte die Gesetzgebung, die von Hmery George in ihrem mächtigsten Grundpfeiler, im Landgesetz, angefasst wurde. Die Aufnahme der Herderschen Abhandlung ״Moses und die Dichtung“ verdient ganz besondere Anerkennung. Vielleicht wird es eine Anregung sein, das ungeheure Bildungsmaterial und das besonders für Juden und Judentum wichtige Schrifttum Herders für die Masse des Jüdischen Volkes durch eine hebräische Uebersetzung von Herders Werken brauchbar zu machen und in geistige Kleinmünze umzusetzen. Dass Achad Ha’arns Moses als Prophet nicht fehlt, war vorauszusehen. Erfreulich ist es, dass uns van Gotthold Weil eine yortreffliche und wortgetreue Uebersetzung dazu vorhegt. Hierzu kommen die zwölf Wiedergaben von bildnerischen Darstellungen aus alter und neuer Zeit. Die Künstler sind1: Flamün, Ghiberti, Rauch, Botticelli, Rembrandt, Murilo Ury* M'ichel-Angelo, Ralfael, Kaulbach, Dürer und ein bekannter Meister. Nur ist dem Verlag bei seinen technisch her-

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