Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 17 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu .Jüdische Rundschau' Jahrg. X. No. 44 a I Herausgegeben von Sr. Heinrich Üoewe, Q Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 17. Berlin, den 5. Cheschwan 5666 — 3. November 1905 Jahrg. 1. Literaturbericht Moses*) An der Spitze der Jüdischen Volksgeschichte steht ein Mann, der so gross ist, dass er das ganze Volk und seine ganze Geschichte gewaltig überragt. Er ist der Schöpfer des Volkes und des Volksgeistes. Der Jude ist umsomehr national, je mehr er von dem Geiste Moses in sich aufgenommen hat. Das ist beileibe nicht dasselbe, was׳ man so mosaisch nennt. So wenig man aus dem Begriffe des Christentums irgend einen wie immer gearteten Schluss au!i Christus selbst ziehen darf, so wenig kann man aus den Grundsätzen der Männer, die das beschönigende Wort ,,mosaisch“ in die Sprache vom Judentum eingeführt haben, irgend etwas über Moses und seine Lehren erfahren. Vielfach geht sogar die Lehre dessen, was sich heute gern Mosaismus nennen möchte, so weit ab von den Wegen des grossen Lehrers Moses, wie der Jesuifismus von den Lehren und dem Wesen Jesu, In dem jüdischen Schrifttum führt er keinen hochtrabenden Titel. Er!ist kein König und kein Gesalbter. Lean Herrscher!und kein Priester. Er selbst nennt sich Moscheh und nicht mehr. Das Volk aber hat ihm den Namen gegeben, unter dem er noch heute in Munde aller Juden in allen Ländern der von ihm vorhergesagten Verbannung genannt wird: Moscheh Rabbeiiu;, unser Lehrer Moses. Kein Denkmal ist 'ihm von seinem Volke errichtet worden, selbst seine Grabstätte äst und! bleibt unbekannt, wie er es gewünscht hat. Denn er hasste jeden Personenkult und fing 'damit bei sich selber an. Er selbst lebt fort mit seinem Volke und in seinem׳ Volke, das doch Geist von seinem Geist ist, wenn es sich nur selber treu bleibt. Ein Jüdischer Verlag kann nicht schöner sein Judentum dokumentieren, als durch eine Schrift über Moscheh unsern Lehrer. Er gibt damit nur den Grundton an. der durch die ganze Jüdische Geschichte tönt und nachhallt, bis dass der letzte Jude schied. Zurück zu Moscheh, das ist der Ruf der modernen jüdischen Jugend und die Losung der modernsten * ),M oses. Adolf Gelber: Moses, der Befreier; Henry George: Moses Gesetzgeber; J. H. G. H e r d e r: Moses und die Dichtung; A c h a d- H a’a. m: Moses, der Prophet. ... Jüdischer Verlag, Berlin 1905. (104 S.) 4. und 12 künstlerische Reproduktionen.