Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 16 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 LITERATURBLATT ״ No. 16 Griechen Schlachtgesänge dichtete und in den Reihen freiheitskämpfender Hellenen focht, war es, der -durch seine hebräischen Melodien den Anstoss zur neuen Zionsdichtung: gab. Seind'Hebrew Meladies, die 1815 erschienen, waren eine Parallele zu Thomas Moores Irish Melodies, die er bewunderte. •Er, derselbe Mann aber, der sein Leben für die griechische Freiheit wagte, fand nur Töne der Bewunderung für die alte Geschichte des hebräischeu Stammes, indem er dem königlichen Sänger David, dier Tochter jephiahs, dem. König Saul, der herrlichen Hasmonäerfürstin Mariamne Lieder zum Ruhme sang, sonst aber nur Töne׳ des tiefsten Leides und Mitleids für das vertriebene Volk fand: Beweint sie׳, die ,an Babels Bächen sassen Und niederweinten üx Chal'däas Strom, Weint um den Tempel, den die Flammen frassen, Und umein Land, geworden zum Phantom! In schnödem Staub liegt Judas gold’ne Leier, Für ewig schläft der Saiten Silberton, Wo einst ihr Gott gethront in Huld und Feier, Dort hausen Gottverächter ihm zum Hohn. An deinem Pilgerfuss die Blutesspuren, Wann trocknen sie auf deinem Duldergang? Wann! tönt erneut durch deines Kidrons Fluren Dein Sängermund1 gewohnten Feierklang? Wann jubeln die so lang verwaisten Herzen, Getröstet endlich durah ein hefig Lied? Was säumt der Tag, der endet deine Schmerzen, Vor dem .der Trauer letzter Nebel flieht? Ihr Stämme Israel, bestimmt zu wandern Von eures Schicksals ewigem Rachegeist, W'ie lange noch von einem Pol zum andern Irrt euer Fuss, bis Gott ihn ruhen heisst? Der wilden Taube steht in Waldes Eich ein Ein friedlich Nest, dem Fuchs ward eine Kluft, Dem Menschen Land, so weit •die Länder reichen, Für dich, mein Volk, bleibt übrig nur die Gruft! (Byron;: Israels Loos, übers, v. Heinrich Zirndorf.) Noch zeigte keine Regung, dass der tiefe Judenschmerz wieder in alter Sehnsucht nach dem heiligen Lande der Väter wild emporflammen sollte. Noch machte sich nichts von dem geltend, was i)m Innersten der Volksseele sich selbst verborgen und unbewusst vorging, das Sehnen nach einer neuen Heimat im alten Heimatlande.