Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 15 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No.!5 LITERATURBLATT 119 Notizen Hebraica der Frankfurter Stadtbibliothek Die Frankfurter Stadtbibliothek hat wieder durch die hochherzige Stiftung der Freifrau Mathilde van Rothschild einen Bücherzuwachs erhalten, der ihre Hebr,aica-Sammlu11g nunmehr zur vollständigsten des Kontinents machen dürfte. Sind doch von hebräischem Inkunabeln» deren Zahl sich auf 102 beläuft, allein 57 im Besitz der Frankfurter Bibliothek. Der Anfang zu dieser ausserordentlich wertvollen Abteilung wurde durch die Ueberlassung der Sammlung orientalischer Schriften und Bücher des im Jahre 1704 verstorbenen Orientalisten Hiob Ludolf gemacht, dessen Erben diese der Stadt überliessen. Es folgte dann im Jahre 1861 .die״ Bibliothek des Dr. Isaak!Marcus Jost, eine Sammlung von 870 Bänden, der in Jahre 1867 die des Rabbiners Aaron Moses F u 1 d (700 Bände) folgte. Im Jahre 1892 wurde von der Stadt die Bibliothek des dortigen Rabbiners Dr. Jeremias Brüll angekauft. 5250 Bände wurden dadurch der städtischen Sammlung jüdischer Literatur und Schriftten zugeführt. Sie enthielt eine grosse Anzahl jüdisch-deutscher Schriften, erstreckte sich aber überhaupt auif alle Wissensgebiete jüdischer Literatur.■ Im Jahre 1899 verkaufte Prof. Dr. A. Berliner in Berlin bei Lebzeiten seine 3200 Bände starke Sammlung, die hauptsächlich durch die Vollständigkeit jüdischer Gebetbücher fast aller Zeiten und Länder wertvoll ist, an der. Bibliothek. Durch Sammlungen und Stiftungen war der Ankauf ermöglicht worden. Im selben Jahre schenkte Dr. Horovitz eine höchst kostbare Bücher- und Manuskriptsammlung, 4300 Fragmente der Bibliothek. Diese ausserordentlich wertvolle Sammlung von ״Genisa”. d. h. Büchern, die in der Erde eingegraben wurden, existiert!in ähnlicher Vollkommenheit nur in dem British-Museum zu London. Diese Manuskripte reichen bis;ins Jahr 1000 zurück und stammen von dem Friedhof in Kairo. Es folgte dann die glänzende Stiftung der Freifrau von Rothschild im Jahre 1901, eine Sammlung von 3030 Bänden, Bibelausgaben in tadellosen Exemplaren, Schriften jüdischer Autoren usw. 1903 wurde durch freiwillige Spenden der Ankauf der Abraham Merzbach ersehen Sammlung in München ermöglicht, die sich namentlich durch eine sehr wertvolle, vollständige Talmudsammlung auszeichnet. Auch die synogogale Musik ist bereits im Jahre 1900 durch eine Schenkung des Herrn Charles Hallgarten in vorzüglicher Weise literarisch vertreten. Nunmehr folgte als Ergänzung die; zweite Rothschildsche Stiftung, welche die hebräische Abteilung sehr bereichert. Sie besteht in einer Sammlung karäischer Werke. Die Städtbibliothek verfügt nunmehr über die gesamte gedruckte Literatur der Karäer. Literaturbericht Vogelstein, Hermann: D i e A 11 f ä 11 g e des Talmuds und die Entsteh un g des Chriilstentums. Vortrag, gehalten im Verein für jüdische Geschichte und1 Literatur zu Königsberg am 19. Februar 1902. Königsberg i. R: Ostdeutsche Buchhandlung 1902. 28 S. 8°. Wenn auch die vorliegende Schrift ihrer Entstehung gemäss keinen Anspruch darauf hat. als wissenschaftliche Leistung beurteilt zu werden, so können wir doch nicht so achtlos an;ihr vorübergehen, weil populäre Darstellungen aus dem Gebiete jüdischen Wissens augenblicklich für unser Volk notwendiger sind als gelehrte Forschungen, ohne dass wir darum exakten gelehrten Forschungen ihren Wert in irgend welcher Weise kürzen