Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 15 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 15 LITERATURBLATT 117 geäussert, imd so konnten über ihn die seltsamsten Gerüchte!entstehen, ohne dass man Gelegenheit hatte, sich; vom Gegenteil unterrichten zu können. Um diesem Mangel abzuhelfen, haben nun einige tatkräftige jüngere Z'onisten in Warschau eine Gesellschaft zur Herausgabe entsprechender Werke in polnischer Sprache unter dem Titel ״Safrus“ ins Leben gerufen und nun!liegt uns als erste ihrer Früchte das sogenannte Sammelwerk vor, das dein Titel der Gesellschaft trägt*) und das alle Vorzüge und Mängel alller derartigen Erstlingsunternehmen aufweist: jugendlicher Enthusiasmus und ungenügende Erfahrung, herzerfrischende Offenheit und unnötig s Dneinschlagen, stürmisches Vorwärtsdringen und nicht immer begründete Beurteilung von Leuten und Tatsachen, aber im grossen und ganzen eine tüchtige Leistung. Da aber die Herausgeber unter den polnisch schreibenden Zionisten nicht genügend Kräfte gefunden haben, so haben sie sich an einige bewährte Ges nnungsgenossen des Auslandes gewendet, die speziell für das Sammelwerk bisher noch nicht veröffentlichte Beiträge geliefert haben, so dass wir hier 39 Abhandlungen vor uns haben, die alle, mit wenigen Ausnahmen, als Originalarbeiten betrachtet werden können und die zum grössten Teile d:e zionistische Bewegung und mit ihr verwandte Probleme zum Gegenstände haben. Auf eine Begründung oder Rechtfertigung des Zionismus haben die Herausgeber des Sammelwerkes von vornherein verzichtet!. Und mit Recht! Der Zionismus, so׳ lesiein wir an einer Stelle (p. 112), ist bereits zur histonschen Tatsache geworden und kann alls solche höchstens zum Gegenstand einer histordosophischen Betrachtung gemacht werden, ist aber kein Problem; das einer Begründung bedarf, ׳ebenso wie es heute keinem Menschen einfallen wird, die Aufhebung der Leibeigenschaft zu begründe׳, höchstens dass man sie als eine h stör.sehe Erscheinung analysiert u d erklärt. Eine solche Analyse dies Zionismus bietet nun zum Teil Ado'f Stand in seinem Artikel, der unrichtigerweise sich als ״Die jüdische Moderne in Gal zie!n“ betitelt (p. 30—40)!, da das hier Gesagte doch von der jüdisch-nationalen Renaissance dm allgemeinen gilt. Er fragt: ״Was ist Zionismus׳?“ und definiert ihn richtig als den Willen, sich als. Volk auslebem zu körnen, d e neuesten Errungenschaften der europäischen Kultur nicht mechanisch herüberzunehmen oder tölpelhaft ihrem äusseren Scheine nachzugehen, sondern sie organisch in sich aufzunehmen und national zu verarbeiten und auf solche Weise eine edle Assimilationsarbeit zu vollziehen, d e weder!entwürdigend noch gesinnungslos ist. Stand ist es auch, der unserem dahingegangenen grossen Führer!einen Nachruf widmet (p. 327—335), in dem er die Etappen in der Entwicklung Herzls vom Feuilletonisten zum politischen Schriftsteller und von diesem zum Schöpfer des modernen. Zionismus verfolgt. Von anderen rein zionistischen Arbeiten sei vor allem erwähnt ,״,Ein Abriss der physischen Geographie Palästinas“ von A. Aarons.ohn und S. Soskin. (p. 163—189), dann ein Aufsatz Heinrich Loiewes ״Ueber die . erste Dämmerung der jüdischen Nationalbewegung im Westen“ (p. 1—13), also über Mordechai Manuel Noah, der schon vor 80 Jahren einen Schekel einführen, aber dabei die Chaluka bestehen lassen wollte, über Ernest Laharanne und sein Werk ,..Reconstitution de la nat onalite juive“ (Paris 1860), über Moses Hess’ ״Rom und Jerusalern“ usw. Osias Thon spricht sehr anziehend über ״Strömungen 1m Zionismus“ (p. 112—122) und der Redakteur Jan K i rszrot behandelt das Problem des. Territorialismus (p. 280—297), den nun der Zionismus *) ״Safrus“. Ksiaska ebiorowa posniscowa spravom zydostwa, pod. redakch'a Jana Kirszrota (Warszawa). Ozdobit Wilhelm׳ Wachtel (Lwow). LSafrus“. Ein den Interessen der Judenheit gewidmetes Samelwerk. Redigiert von Jan Ki rszrot (Warschau), illustriert von Wilhelm Wachtel (Lemberg).] Warschau 1905, XV u. 335 S.. kl. 4°.