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Jüdische Rundschau · 1905-10-06 · 15 (6.10.1905) · p. Seite 116

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
15 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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LITERATURBLATT No. 15 11im römischem Heere Kriegsdienste.. Anfangs wollte man ihn nicht. Da er aber keinen Sold beanspruchte, er hatte ihn ja nicht nötig, so nahm man ,ihn dennoch. Er zog mit dem Heerbann nach Indien, wo er Wunder der Tapferkeit!verrichtete. Sein rechter Arm, der doppelt so׳ lang wie sein linker ist, wird ihm im Kampfe abgeschlagen. Da wächst ihm ein neuer. Er ist der eigentliche Held des Krieges, den die Feldherrn auszeichnen. Aber was er sucht, kann er nirgends finden — den T 0 d. Er lässt sich ,in einen Sack einnähen und in einen tiefen Strom werfen; aber das Wasser speit ihn wieder aus. Da wandert er zu einem feuerspeienden Berge, und stürzt ■sich kopfüber in den Krater hinab. Halbverbrannt und halbverkohlt wird er m, t Flammen und Lava wieder ausgespieen — aber lebend. Die verstümmelten Gliedmassen wachsen ihm wieder von neuem. So lebt er fort und ist «,ein lebendiger Zeugte׳ der Wunder und Leiden des Herrn . (Fortsetzung folgt.) Ein Zionistisches Sammelwerk in polnischer Sprache Unter den jüdischen Literaturen in europäischen Sprachen ist die jüdisch-polnische wohl eine der ärmsten. Es, ist hier nicht der Ort, Betrachtung'en darüber anzusteiilen, ob es überhaupt nützlich und wünschenswert ist, die Entwicklung dieser Literaturen, die doch im Grunde fremdartig und unnatürlich snd, zu erstreben, es bleibt aber doch die Tatsache bestehen, dass das Judentum in seinem heutigen Stadium ihrer nicht entbehren kann, dass viele ihre Kenntnis ihres eigenen Volkes nicht aus Ouellenshriften und hebräischen Werken zu schöpfen vermögen und dass ganze Zweige unseres Sehr fttums, so vor allem die moderne, kritische Wissenschaft des Judentums, hauptsächlich in nichthebräischen Büchern enthalten sind. Was nun speziell die Armut der jüdisch-polnischen Literatur anbetrifft, so haben verschiedene Faktoren diese Erscheinung gezeitigt,; die Hauptursache scheint uns die folgende zu sein: Die׳ Aufklärung kam auch nach Polen aus Deutschland, von der Schule Mendelssohns, den Biuristen und dien Meassfim. so׳ dass das erwachte Verlangen nach Bildung neben hebräischen Werken auch in deutschen seine Befried'gung fand. Werden ja noch heute die fortschrittlichen Juden in Polen von dem Voike als ״Deutsche:“ bezeichnet. Als sich nun aber die, Nachkommen der Maskilim zu , Polen mosaischer Konfession“ entwickelt hatten, da wurde zwar die deutsche Sprache durch die polnische nach und nach verdrängt, 'für eine jüdische Literatur in polnischer Sprache aber war kein Raum mehr, da man sich für eine solche Literatur überhaupt immer weniger interessierte, und die wenigen entstandenen Versuche sollten weniger zur Belehrung dienen, als das Werk der Assimilation beschleunigen. Die zu neuem Leben erwachenden Talmudjünger aber, sowie die Masse des jüdischen Volkes suchten ,und suchen weiter Belehrung in Büchern, die in ihnen zugängbehem Sprachen! abgefasst sind:, also in hebräischer und jüdischdeutscher. Es ist nun :erfreulich, das Erscheinen eines stattlichen jüdischen Sammelwerkes :in polnischer Sprache, eines der ersten dieser Art, verzeichnen zu können, um so mehr, als es e'n zionistisches Werk ist. Auch der Zionismus nämlich hat sich bis jetzt nur schüchtern in polnischer Sprache

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