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Jüdische Rundschau · 1905-09-29 · 14 (29.9.1905) · p. Seite 110

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
14 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
Seite 110 (sequence 6)
Language
German
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110 LITERATURBLATT No. 14 wird nur an der Hand dieser ״klevcn Literatur" queileiiniässi« zu behandeln sein. Uni so mehr erwächst fiir uns alle die dringende Pf'iicht, diese Vereinsschriften. Privatdrucke, GelegenheEsscliriften aller Art sorg- :äitig zu sammeln und der B.bliothekskominiss on für die Jüdische Nationalbibliothek zu J.rusalein zu überweisen. H. L. Ein neugefundenes Bild Spinozas Wie c nein Briefe des Mr. Joseph Jacobs in New-York, Mitberausgeber der .1 e w i s h E n c y'c 1 0׳ p e d i a , am :das ATHE1NAEUM vom 16. September zu entnehmen ist, ist in den Besitz des Richters May. er Sulzberger in Philadelphia ein Porträt Baruch S pd- 11 o z a s gekommen, dessen Stammbaum und sonstige Eigenschaften für seine Echtheit sprechen. Das Bild trägt auf der Rückseite eine französische Bemerkung, dass es einst dem aus der .Halshandgeschichte bekannten Kardinal de R0Ea.11 gehört hatte, dem es als ״Geschenk" seiner jüdischen Pächter zugekommen war. Auf der Vorderseite ist das Porträt m.t ״W. V. 1672" (oder 1673) bezeicitiiKt ui d ergibt siejj somit als ein Werk des von 1662 bis 1677 in Amsterdam niedergelassenem Malens Wallerant Vaillant, der durch sein 1658 gemaltes Porträt Ka;ser Leopolds eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte. 1673 wurde bekanntlich Baruch Spinoza als Professor an die Heiddberger Universität von Karl Ludwig berufen, welchem Ruf er keine Folge leistete. Das Datum des BilcLfc, 1672 oder 1673. lässt nun die Ansicht entstehen,!dass Spinoza im Zusammenhang mit dieser 1673 geschehenen Berufung auf Veranlassung von Karl Ludwig von der Pfalz durch Wallerant porträtiert wurde, der den Kurfürsten vorher selbst schon gemalt hatte und jetzt in Spinozas Heimat, in Holland, seinen Wohnsitz hatte. :Das iu Besitz des Judge Sulzberger befindliche Bildnis zeigt den Philosophen mit der jüdischen Physiognomie, vor! der der ihm fast gleichzeitige Biograph Coterus spricht. Es ähnelt der der Königin-Mutter von; Holland gehörigen Min׳'atu re., aber nicht dem Wolfenbütteier Gemälde, das nach Jacobs unmöglich die gleiche Persönlichkeit darsteilen kann wie Miniature und Philadelphia-Porträt, obwohl man in den Zügen das Wolfenbütteier Bikimsses die Spuren der Schwindsucht, an der Spinoza starb, erkennen wollte. Die österreichischen Forschungen in Palästina Der Professor an der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, Dr. E. Sellin, hat der Wiener Akademie der Wissenschaften jetzt eine umfangreiche Studie über das Gesamtergebnis seiner Forschungsgrabungen auf dem Teil Ta’annek in Palästina überreicht, die er mit Unterstützung der Wiener Akademie und des Unterrichtsministeriums zur Ausführung bringen, konnte. Die Funde, welche bei der Burg des kanaamtischen Fiirsten Gschtarwgschur gemacht wurden, bringen, wie der Verfasser bemerkt, eine Geschichte der Keramik im Palästina zur Veranschaulichung. Audi für die Kultur- und Religionsgeschichte sind wertvolle Beiträge hinzugekommen, und zwar durch die Aufdeckung eines spätkanaanitischen Hauses, das allen Ausgrabungen entgangen war. Hier lagen neben Geräten des täglichen Lebens die Leichen einer Mutter mit ihren fünf Kindern und der Schmuck, der zum grössten Teil aus Gold bestand und komplett erhalten ist. Es ist der erste, der bis jetzt in Palästina gefunden wurde. Für die Reiligionsgesclncihte von Wichtigkeit ist der Fund einer bronzenen weihliehen Götterfigur, die bis jetzt einzigartig dasteht. Ferner ist durah die letzten Aufdeckungen die Wahrscheinli1chke.it nähergerückt, das-s die ganze Burg eigentlich ein Heiligtum war, d׳e ein fürstliches Archiv iu sich birgt. Zum Schlüsse sind noch drei gut erhaltene Tontafeln und kleine׳ Fragmente von fünf anderen zutage gefördert worden, teils Briefe, teils Namenlisten.

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