Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 14 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- Seite 109 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 14 LITERATURBLATT 109 Notizen Eine Anregung für unsere Nationalbibliothek . . So gewinnt neben der ״Buchliteratur” auch der ״P r i v a t d r u c k” als Teil einer planmässig angelegten grossen Sammlung seine selbständige Bedeutung. Nun sind derartige Sachen meist wegen ihres geringen Umlanges und der Art ihrer Erscheinung der Geiahr der Vernichtung mehr ausgesetzt, als die im Wege des Buchhandels verbreiteten Literaturer- Zeugnisse, uncT es kann nicht dringlich genug autf die Verpflichtung der Bibliotheken zu einer geordneten Sammelarbeit!angewiesen werden. Wie überaus mühsam und schwierig diese ist. davon ist ausserhalb der bibltiothekarischen Fachkreise nur wenig bekannt. Glücklicherweise hat hier und da d'e Uneigennützigkeit oder das Verständnis privater Sammler dazu beitragen können, die Versäumnisse: der Bibliothekverwaltungen einigermassju auszugleichen, es sollte aber doch nicht dem Zufalle überlassen werden, was unbedingt zu den laufenden Geschäften der Bibliotheksbeamten gehört. Gewiss wird von manchem Anstalten sehr A!11erkemnenswertes geleistet, ich denke da unter anderem an die ein ganzes Magazin füllende Sammlung ״Vereinsschriiiten” der Frankfurter Stadtb.bliothek. aber es sind vereinzelte Erscheinungen. Es gibt bei uns noch keine Einrichtung, welche di!e Gewähr böte, dass bei der Ansammlung der ״kleinen Literatur’’ kein Zweiig. kein wichtiges Stück, kein Landesteil, übergangen wird, und dass d'iie Bibliotheken auch bei ihrer Sammeltätigkeit stets in engster Fühlung bleiben. Da gilt es vor allem die öffentlich er! Verwaltungen und das Publikum zu überzeugen, dass V e r ä u m 11 i s s t in der Sammelarbeit gerade auf diesem Gebiete nicht wieder gut zu machen sind, Bücher lassen sich, wenigstens in den meisten Fällen, noch beschaffen, wenn die Geldmittel reichen, die grosse Masse der Privatdrucke ist für immer verloren, wenn nicht gleich nach Erscheinen die Hand darauf gelegt wird: die Praxis der Bibliotheken;erweist das zur Genüge. Und dabei handelt es sich, wie gesagt, um öin Material ,von selbständiger Bedeutung neben der Buchliteratur. Die Werke der wissenschaftliehen Literatur verlieren wenigstens zu einem Teile an Wert, nachdem sie den Bedürfnissen eine Reihe von Jahren oder auch Jahrzehnten gedient haben; sie veralten, sobald sie durch neue Auflagen oder durch neuere bessere Werke überholt sind, wenn sie auch als Dokumente der Zeit und' als Quellen der Wissenschaften zu beachten sind. Bei! der ״kleinen Literatur” ist es umgekehrt; sie hat für die Bedürfnisse der Gegenwart häufig nur geringe Bedeutung, iihr voller wissenschaftlichem Wert entsteht ernst durch Zeitablauf und systematische Gruppierung. Es! '!ist ganz unmöglich, die Geschichte gewisser Zeiten. Gegenden, Bevölkerungskreise kennen zu lernen, wenn man nicht auch die provinziale und lokale Literatur durchiforsicht. W'as da für Studien in einzelnen Zweiten der Forschung — Geschichte der Sprache und der schönen Literatur, politische und Wirtschaftsgeschichte. Biographie, Kultur- und Sittengeschichte im weitesten Sinne — einmal Bedeutung gewinnen kann, wird gesammelt, weil es erschienen ist, So erhalten Theaterzettel. Programme von Festlichkeiten und künstlerischen Darbietungen, Stammbäume und Nekrologe, selbst Totenzettel in geordneten Sammlungen den Charakter eines wichtigen Ouellenmaferials. Aus der sehr beachtenswerten Schrift ״Das Bibliothek wesen als Gegenstand d' er öffentlichen Verwaltung v 0 n Prof. D r. Adolf Keysser, Direktor der KölnerStad1 tbibliothek. Köln 1905. diie soeben erscheint, geben wir diese Stelle wieder, weil d'as, was der sachverständige Autor hier von der deutschen ״kleinen Literatur” sagt, in erhöhtem Masse auf die jüdische ״kleine Literatur” zutrifft. Ein sehr bedeutender Teil jtüdischer Tagesgeschichte