Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 14 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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108 LITER ATU RBL ATT No. 14 Preisausschreiben Der Wegweiser für die Jugendliteratur, herausgegeben von der G r j) s s 1 0 g e für Deutschland VIII U. 0. B. B. No. 5, September 1905, veröffentlicht nachstehendes Preisausschreiben, das wir hiermit zur Kenntnis unserer Leser bringen: Der Jugend, der die Zukunft gehört, widmen wir in diesen Blättern unsere volle Aufmerksamkeit. Jedes Mittel, das zu dem Ziele führt, in den Herzen des heranwachsenden Geschlechts die Liebe zu unserer Glaubensgenossenschajft. ׳das regste Interesse für unseren angestammten; Glauben zu erwecken und zu beleben, begriissen wir mit lebhaftester Freude. Wer in die Vorstellungswelt der Kindheit sich Vertieft, wer erkennt, dass die in der frühesten Jugend empfangenen Eindrücke am nachhaltigsten wirken, der sollte auch bestrebt sein, das kindLche Bewusstsein mit solchen Gedanken zu befruchten, die zur Förderung der religiösen Ent- Wickelung der Jugend beitragen. Jedermann! kennt die Freude, die schon Kinder in zartestem Alter empfinden, wenn sie eine Erzählung mit: ..Es war einmal” beginnen hören, weiss, mit welch gespannter Aufmerksamkeit sie an den Lippen des Er- Zählers hängen, wenn dielieblichen Phantasiegebilde, die Märchen, ihnen vorgefiihrt werden. Wenn nach Goethe das Wunder des Glaubens schönstes Kind bedeutet, so sind auch die Märchen, dem Wunderlande e!n.tstammend, das Entzücken unserer Kinder. Nun soll hier den jüdischen Märchen das Wort geredet werden. Märchen, die der jüdischen Gedankenwelt entsprossen und durch die Kunst der Darstellung das Gemüt der jüdischen Kinder fesseln, und auf Grunu der gewonnenen Anschauungen die treue Anhänglichkeit an unsere Religio!, befestigen. Durch unseren ״Wegweiser'׳’ angeregt, hat eine hochherzig gesinnte, für unsere Religion begeisterte Glaubensgenossin. Frau Mary Rosenbaum in Tirgu-Neam׳tu (Rumänien), einen Preis, von 200 Mark dir das beste jüdische!Märchenbuch ausgesetzt. Wir dürfen hierbei sicherlich der bestimmten Hoffnung Ausdruck geben, dass dieser Betrag durch Zuwendung von anderen Seiten um ein beträchtliches erhöht wird. ln einem Schreiben an uns äussert sich die edle, von Begeisterung erfüllte Stifterin folgendermassen: . ״Von frühester Jugend an sollen dem jiidfsehen Kinde jüdisches Fühlen und Denken eingeimpift werden. Eindrücke solcher Art lassen sich׳ durch nichts mehr verwischen. Das erste Liedl das das jüdische Kind zu hören bekommt, es müsste ein jüdisches Lied ein: das erste Märchen, das ihm die Mutter erzählt, es müsste von jüdischen Helden, jüdischen Denkern und. jüdischen Oertlichkeiten handeln. Das erste Buch, das das jüdische Kind in die Hand bekommt, es müsste!ihm von den grossen Taten seiner Vorfahren, seiner erhabenen Religion usw. erzählen. Und zur Er- Ziehung des jüdbehen Kindes in diesem Sinne beizutragem. trug ich, mich schon lange mit der Absicht, einen Preis für ein jüdisches Märchenbuch auszusohreihen. Das geringe Interesse für dergleichen Fragen machte mich jedoch: zögern. Nun, da es besser zu werden scheint, will ich mein Vorhaben verwirklichen.” — Wünschen wir, dass sich unter den jüdischen Schriftstellern die geeigneten Kräfte finden, um das schöne Werk zu vollbringen. Die Arbeiten müssen mit einem Kennworte (Motto) versehen sein und’ unter Beifügung eines verschlossenen Briefumschlags (mit gleichem Motto), worin sich der Name des Verfassers befindet, bis zum 1. Oktober 1906 an das Bureau der Grossloge für Deutschland VIII U. 0. B. B. zu Händen des Herrn D. Wolff. Berlin. Wilhelmstrasse 118 III. eJugesaudt worden.