Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 13 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 13 LITERATURBLATT 99 Montefiore zuerst mit Steiner philanthropischen Arbeit in Palästina begann. Aber im Jahre 1838 iiess noch Noah die deutsche Übersetzung eines seiner Bücher in Hamburg, drucken, in dem er, um den historischen Anspruch •der Juden auif Amerika zu begründen, nachzuweisan׳ unternahm, dass die nordamerikanischen Indianer die Nachkommen der verlorenen zehn Stämme Israels wären. Der nationale Gedanke, der der Völkergeschichte des neunzehnten Jahrhunderts seinen besonderen Farbenton verleiht, der die Einheit Deutschlands und Italiens in seinem weiteren Wirken zuwege brachte, konnte nicht spurlos am Jüdischen Volke vorübergehen. Der mächtige Freiheitsdrang, der auch dem Kampfe um die bürgerliche Gleichberechtigung zugrunde lag, konnte siah bei freiheitlich ■ denkenden Kämpfern nicht darauf beschränken, für den Einzelnen die Freiheit zu erkämpfen, sondern musste dahin ziehen, die Freiheit und Selbständigkeit für das Volk wiederzuerringen. War jenes der Kampf um die Emanzipation, so war dieses der Versuch, den nationalen Staat Wiedererstehen zu lassen. Die Emanzipationskämpfe und das Streben nach nationaler Wiedergeburt entspringen denselben Gefühlen und Regungen und haben den gleichen historischen Ursprung. Aus dem Kampf um die Emanzipation heraus ist der jüdische Nationalismus geboren. Darum hat er seinen Ursprung und seine ersten Vertreter in dem Lande der Freiheit, Amerika, und' Deutschland, dem Schauplatz der Emanzipationskämpfe. Im Jahre 1840 durchflog ein Aufruf die deutschen Lande, der die Blutlüge von Damaskus zum Anlass nahm und in glühenden Worten die Wiedererrichtung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina!:'orderte. Es ist das Jahr der fünfhundertjährigen Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst durah Gutenberg, An diese Jubelfeier knüpft der Autor an.*) Aus Konstanz am Bodensee ist dieser Aufruf geschrieben und hat viele Herzen ergriffen.!Es ist das die Sprache eines!Mannes, der keiner Partei angehört, aber mit helissem Gelfühle vorausahnt, dass einst in Palästina ein neues jüdisches Leben erblühen soll. Er sieht aus dem Lande der Väter, vom Orient die ersten Strahlen der nahenden Erlösung herüberleuahten, und fordert seine Brüder auf, den Augenblick zu ergreifen, um mit Gottes Hilfe der Väter Erbe wieder zu gewinnen: ״... Jetzt oder nie! — Das türkische Reich fällt in. Trümmer, die slavischen Provinzen des Nordens haben sich ihre eigene Regierung geschaffen; Griechenland hat sich losgerissen, die Wallachen zählen die Tage bi'S zu 'jhrer völligen Unabhängigkeit. — — . . . will Israel alle im die Hände in den Scihoss legen?! — Die Ereignisse im Orient sind dta Finger dies Herrn; dort eröffnet sich uns eine Wirksamkeif,!dort wird sich unser Schicksal entscheiden! Oder, wozu anders hätten wir, ׳mitten unter den ,nordischen sprach- und stammfremden Völkern, so manches Jahrhundert hindurch bis auf den heutigen Tag unsere he'imat- *) ORIENT, Jg. 1. 1840. Na. 26 Seite 200/201. Neugedruckt in ZION. Jg. 1. 1895, No. 1, Seite 12—16. (Archiv zu einer künftigen Geschichte der nationaljüdischeri Bewegung.)