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Jüdische Rundschau · 1905-09-08 · 12 (8.9.1905) · p. Seite 90

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
12 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 LITERATURBLATT No. 12 Bei einer Bewegung aber, die sich in einem über alle Länder zerstreuten Volke in verhältnismässig kurzer Zeit allgemeine Verbreitung und :Geltung verschafft, ist es noch viel 'schwerer, die erste•’ Anfänge' zu konstatieren oder ihnen wenigstens nahe zu kommen. Daher ist es so schwierig, der Vorgeschichte des Zionismus nachzuspüren. Wie wenige können sich auch nur der Zeit erinnern, wo noch nicht Dr. Theodor H e rzl an der Spitze der zionistischen Bewegung stand, und wundern sich, wenn sie gelegentlich erfahren, dass nicht erst Herzls Judenstaat den Zionismus geschaffen habe. In den seltensten Fällen aber wird selbst ein alter An-!länger des Nationaljudentums dem Zionismus oder dem allgemeinen jüdischnationalen Gedanken eine längere Geschichte als seit dem Erscheinen von! M. Hess’ Rom und Jerusalem oder Ernest Laharanne’s Reconstitution de la Nationalite Juive zuschreiben. Natürlich muss man auch die Vorgeschichte einer Bewegung nicht minder;in sich scheiden, wie wir dies zwischen ihr und der eigentlichen Geschichte tun. Nur dürfen wir dabei nicht vergessen, dass historische Perioden niclht blosse, einfache Zeitabschnitte sind, und dass sie sich in erster Lmie durch sachliche Momente charakteristisch von emanier abheben. So hat es schon politischen Zionismus vor den Kongressen gegeben, und ebenso• dauert die e'ine Form des ״prähistorischen“ Zionismus, die Kolonisation auf dem Wege fiktiver Wohltätigkeit noch ,immer fort, und treibt zum Teil noch neue Zweige und Bülten, während der Zionismus als politische Partei längst aus diesem Stadium herausgetreten ist. Und doch ist der erste Kongress der Geburtstag des politischen Zionismus, wie die Entdeckung Amerikas die Geburtsstiunde der Neuzeit ist. Nur war beispielsweise die Buchdruckerkunst viel früher erfunden, und andererseits ist das Mittelalter auch in unserem Westen noch lange nicht in allen Beziehungen, nicht einmal in seindm Feudalismus völlig überwunden. . Jedenfalls lassen wir hier •die sonst interessanten Nachrichten ganz ausser acht, die uns alte deutsche Zeitungen geben, dass kaukasische Juden um das Ende des 16. Jahrhunderts versucht hätten, das Königreich Judäa wiederherzustellen. Ganz ebenso bleibt hier der interessante Versuch eines palästirischen Judenstaates durch Don Josef ■han-Näsi unberücksichtigt. Nur was in moderner Zeit und mit modernen Mitteln unternommen oder geplant wurde״ kann hier in den Bereich unseres Versuchs gezogen werden!. Ebenso müssen wir bei einer Geschichte der modernen nationaljüdischen Bewegung von allen religiösen Regungen absehen, und selbst Bücher w!ie Zwi Hirsch Kalischers ציון r,ü*ד־י und die Bemühungen!Elias Gutmachers um die Wiederbesiedelung Palästinas dureih Juden nur zum Teil beachten. Wir können auch den echten ode׳■ fiktiven Aufruf des grosser? Napoleon an die orientalischen Juden nicht als national-jüdischie Lebensäusserung betrachteten. Hier kommt nur das in Betracht, was Juden selbst geschrieben und getan haben, um in irgend einer Form und in irgend einem Lande auf politischem Wege einen neuen Judenstaat 2u gründen. Darum bleiben auch die verschiedenen Schriften christlicher Glaubensboten ausser Betracht, die sehr früh diesen Gedanken aulfgsenommen t

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