Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 12 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu „Jüdische Rundschau“ Jahrg. X. No. 36 Q Herausgegeben von Dr. Heinrich üoeve. Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 12. Berlin, den 8. EIlül 5665 — 8. September 1905 Jahrg. 1. Vorgeschichtliches vom Zionismus Erster Zeitabschnitt. (Bis 1862.) Von Heinrich Loewe. „Wir sprachen oft von Judas altem Ruhme, „Bis neu belebt er uns vor Augen stand. „Bis voll von Sehnsucht nach der Länder Blume „Wir scnauten, nach dem langentbehrten Strand. „Wir sahn den Gott in Salems Heiligtume „Und dachten an Verwüstung nicht und Brand, „Ob unser heilig’ Volk noch liegt in Banden, „Vor deinem Auge war es längst erstanden!“ (Heinrich Zirndorf an Abraham Merzbacher.) Die politische Geschichte dies Zionismus beginnt mit dem ersten- Zaonistenkongress. Er ist die feste Grundlage, auf der sich diie Bewegung in ihrem festen Gefüge aufbaut. Alles was vorher geschehen ist, um dem verfolgten Judenvolk seine Heimat im Lande Israel wieder zu erkämpfen, gehört der Vorgeschichte an. Das soll nicht heissen, dass sie darum von minder grosser Wichtigkeit häre. Denn aus der Vorgeschichte erwächst die Geschichte. Wenn eine neue Bewegung in die Erscheinung tritt, so hat sie gewöhnlich schon eine längere Geschichte hinter sich. Darum bleiben die Anfänge weltgeschichtlicher Bewegungen hast immer in Dunkel gehüllt. Die kleinen Bäche, aus denen sich der grosse Strom zusammensetzte, sind versiegt, ehe« sie beachtet wurden, und später kostet es .viele Mühe, zu erforschen, wo sie flössen. Am schwersten aber ist es, neue Regungen in einer Volksseele zurückzuverfolgen, wenn es sich um freiheitliche Ideen handelt. Denn zuerst achtet ein Volk, dem diese Freiheitsstimmen gelten, gar nicht auf sie; und erst, wenn es von ihnen durchdrungen ist, wenn es sie so in sich aufgemommen hat, dass es Geist von seinem Geist wurde, dann sucht es meist vergeblich nach den „Erste n“, welche den neuen Geist gepflanzt haben. Von Zelt zu Zeit lässt ein glücklicher Zufall einen verschollenen Vorläufer der Bewegung finden, und man staunt, dass das, was man gewohnt ist, als ein sofort fertiges Werk anzusehen, sich allmählig entwickelt hat.