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Jüdische Rundschau · 1905-09-08 · 12 (8.9.1905) · p. Seite 91

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
12 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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No. 12 LI TER ATURBLATT 91 haben,..teils weil sie die Erfüllung evangelischer Weissagungen darin sahen,, teils weil sie glaubten, die nationale Abneigung der Juden gegen die Taufe dadurch zu brechen, dass man ein Nationaljudentum konstruierte, das Jesum als den Messias ansähe. Hierfür verweise ich im allgemeinen auf George Alexander Kohuts Artikel: „Some old Zionists“, in No. 1 von THE MACCABAEAN Vol. 2 (January 1902) S. 4 ff., nicht minder abe** auf Pteiswerks „Morgenland“, besonders dessen erste 6 Jahrgänge (1837—43). Wie weit jüdischer Einfluss mitgesprochen hat, dass die slaviscben Revolutionäre vom Dezember 1825, die sogenannten. Dekabristen, ein jüdisches Reich in Palästina gründen wollten, und ihre Nachfolger in Polen im Jahre 1830 den Juden das Gleiche in Aussicht stellten, muss einer besondern Untersuchung Vorbehalten bleiben. Dit älteste bis jetzt nachweisbare Unternehmung, die man mit Fug und Recht als eine national-jüdische bezeichnen darf, war der Versuch, welchen Mordechai Manuel Noah im Jahre 1825 machte, iin Amerika einen freien Judenstaat unter dem Namen Ararat zu schaffen. Wann er ^-freilich; zum erstem/ Male literarisch mit seinen Plänen hervortrat, lässt sich in Europa nicht übersdhen; aber wir müssen annehm/en, dass der litetarisch so iiberau's tätige Mann sicher seine Idee publizistisch zu verbreiten suchte, ehe er sich an die Ausführung seines Unternehmens machte. Zweifellos müssen doch Zunz und Gans ihn von seinen Schriften gekannt haben, da sie ihn zum auswärtigen oder Ehrenmitglied ihres Vereins für Kultur und Wissenschaft der Juden ernannt hatten.*) Noah, der der diplomatische Geschäftsträger der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Marokko und Tunis gewesen war, und das europäische und orientalische Judentum genau kannte, war eine der bekanntesten Personen seines Landes in seiner Zeit. Mehrere grosse Zeitungen hat er teils gleichzeitig, teils nach einander herausgegehen, und als glücklicher Dichter hatte er sich vor dem amerikanischen Publikum ausgezeichnet. Da ei Lordmayor und Gross-Sherif von New-York gewesen war, so nannten ihn die zeitgenössischen europäischen Zeitungen Major Noah, ein Titel, der ihm, deim beliebten AdYokaten und Publizisten nicht zukommt. Als er . um 1820 aus dem nordalfrikanischen Oriient in seine Heimat zurückkehrte, ging er zuerst an die Propaganda seiner Judenstaatsidee und 1825 erliess er •eins Proklamation an die Juden aller Länder, mit ihm in Amerika ein freies Gemeinwesen der Juden zu gründen. Noiah nennt sich darin „Von- Gottes Gnaden Gouverneur und Richter von Israel“; befiehlt eine allgemeine, genaue Statistik der Juden in allen Teilen der Welt nebst. Angabe ihres Geschlechtes, Alters und ihrer Beschäftigung; sichert dein karaitisehen und samaritanischen Juden, den schwarzen Juden in Ostindien und den abysSitnischen Falaschas von Ostafrika, denen von Cochin und Malabar *) Das Nötigste, um sich über Noah und seinen Ararat zu ortentieren, findet man in J ost: Geschichte der Israeliten, Bd. 10, 2, Seite 227 * - bis 236, ferner in meinem Artikel in der WELT, Jahrgang 6, No. 5 vom 21. Januar 1902, S. 8 ff. (auch JÜDISCHE .RUNDSCHAU1 Jg. 1905).

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