Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 11 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8295971-9045908-8207032--105-8189756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LITERATURBLATT 87 No. 11 der Worte: Her eure Patzen! Dieser Ruf sei dann aut die Juden übertragen worden. Der fruchtbare Berliner Schriftsteller Julius von Voss hat ein Buch geschrieben des Titels: Die Heps Heps in Franken und anderen Orten. Berlin 1820. (Nach Goedeke, Grundriss zur Geschickte der deut sehen Dichtung. Unter dem Stichwort S e s s a). Zu der Ableitung des Hep, hep von H. E. P.. (Hierosolyma e,st perdita) wird eine ähnliche Wortbildung mitgeteilt, die am Niederrhein ganz bekannt ist. Auf Grabsteinen findet man dort selhr häufig am Schluss die Buchstaben R. I. R. oder R. I. P. S. (Requiescat in pace [sanca]). Will man sich niach einem alten Bekannten erkundigen, von dessen Tode man noch nicht gehört hat, so bekommt man häufig die Antwort: He is rips! Ferner kann man die Buchstaben I. N.R. I. (Jesus Nazarenus Rex Judaeorum — Jesus von Nazareth, König der Juden) über einem Kruzifix auch so deuten hören, dass Iiiri - „Meister“ heisse. Man sieht daraus, wie das Volk stets geschäftig ist, auch die ihm unverständlichen' Dinge für sein Verständnis zuzustutzen. Die Erklärung „Hierosolyma est perdita“ für Hep-iHep leidet an dem Fehler, dass es lateinisch heisst „Hierosolyma sunt perdita*. Von anderer Seite wurde es als Abkürzung von Hebräer angesehen. Ein jüdischer Gelehrter, der Grossvateir des Mannes, der hier diese Mitteilungen 'macht, hielt dafür, dass man die Juden ihrer Ziegenbärte wegen in Bayern, wo die Bevölkerung fast durchgängig nur Schnurrbärte trägt, Hepp-Hepp neckte, wie man die Ziegen lockt, die deswegen kurzwerg auch Hippel oder H e p p e 1 genannt werden. Uns scheint der Ruf Hepp-Hepp, der in dem S e s s a sehen Machwerk zum ersten Male vorkommt, von dem Autor aus Gründen des Klanges eingesetzt zu sein, und eine rein klangliche Bedeutung zu haben, etwa wie das „Hipp“ in „Hipphipp Hurrah“. e—m. Die Jüdische Nationalbibliothek Der vom VII. Kongress angenommene Antrag. Der siebente Kongress beschliesst eine Jüdische Nationalbibliothek zu begründlen, möglichst im Anschluss und als Fortsetzung der von Joseph Chasanowicz in Jerusalem begründeten und zur Zeit von der Jerusalemer BnesBrith-Loge verwalteten Bibliothek Midrasch Abarbanell etc. Der Nationalfond soll der alleinige Besitzer der Nationalbibliothek sein, doch soll es gestattet sein, so lange di,e Uebertragung auf den Nationalfond noch nicht möglich ist, eine Uebergangsform in zionistisch-rechtlicher Form zu finden. Es wird zur Ausführung dieses Beschlusses eine Kommission ernannt, bestehend aus der F^alästLna-Komm i s s i o n sowie zwei weiterem fachmännischen Mitgliedern, den Bibliothekaren Dr. Herrmann Rosenthal in New.-York un!d; Dr. Heinrich Loewe - Berlin. Ferner wird Herr D r. Chasanowicz ohne Sitz und Stimme dieser Kommission als Ehrenmitglied beigegeben.