Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 10 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 10 LITERATURBLATT 75 Schrift unsere Aufgabe sein, im Einzelnen die Sitten und Pflichtenlehre, die er hier entwickelt, diurchzugehen; auf einiges werden wir weiter unten eingehen. Am Schlüsse des Buches findet sich ein Kapitel über „Die Erhaltung des Judentums“. Für den nationalen Juden hat diese Frage immer ein ganz besonderes Interesse gehabt, und darum möchte ich hier beginnen, um erst nach diesen menschlichen und rein historischen Dingen die höheren Regionen zu betreten. * (Fortsetzung folgt.) Ein jüdisches Arbeiterdrama Von Dipl.-Ing. M. Hecker. (Schluss.) „Eisik Scheftel“ ist in jüdischer Sprache geschrieben und aus dieser ins Deutsche übersetzt. Die Uebertragung, die wir Buber verdanken, ist interessant genug, um ihr einige Bemerkungen allgemeinerer Natur zü widmen. B. hat seine schwierige Aufgabe mit feinsinniger Kunst und tiefeindringendem Verständnis für die Eigenart der jüdischen Sprache durchgeführt. Trotzdem vermag seine Uebersetzung keinen ganzen und befriedigenden Eindruck in uns zu wecken. Um die Ursache dessen zu erkennen, müssen wir die Methode ins Auge fassen, nach welcher überhaupt die Werke der jüdischen Literatur durch Uebertragung ins Hochdeutsche uns nahegebracht werden sollen. Sie ist eine zweifache: die einen lösen den Inhalt ganz aus seinem sprachlichem Rahmen heraus und. versetzen ihn in eine andere Sphäre, wie sie eben der deutsche Sprachausdruck erzwingt, wobei sie natürlich der Wiedergabe gerade der charakteristischen Eigenheiten und Feinheiten des Jüdischen entraten müssen — sie geben uns mehr oder weniger freie Nachdichtungen. Die anderen, und zu ihnen gehört Buber, wollen gerade diese Eigenart retten, die sich in alll den kleinen Zügen wie in den Linien und Falten eines Antlitzes ausprägt, weil sie deren Bedeutung auch für den Inhalt des Dichtwerks richtig' anzuschlagen wissen; sie bleiben auch in der Uebersetzung nach Möglichkeit dem Satzbau und den Wortfügungen treu, wie sie der jüdischen Sprache eigen sind — ihr Werk könnte man füglich als eine Art Transskrdption bezeichnen. Beide Wege lassen uns ein gutes Stück vor ihrem Ziele im Stich; jener wird dein Inhalt nicht gerecht, dieser tut der Form Zwang an. Gerade das Letztere wird durch nichts so treffend bewiesen wie durch dieses Buch: bei seinem Lesen kann kein einheitlicher, ungetrübter Genuss in uns erstehen, denn wir müssen unablässig mit einem peinlichen, gequäilten Eindruck kämpfen, wenn wir unser „geliebtes Deutsch“ in ein so ungewohntes Gewand gekleidet sehen •— zumal oft eine fatale Erinnerung' an die missratene Ausgeburt des Jüdischen, das „Mauscheln“, unwillkürlich in uns geweckt wird. Man muss die schwierige Arbeit des Uebersetzers bewundern, aber dass man sie überhaupt .merkt, spricht ihr schon das Urteil.