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Jüdische Rundschau · 1905-07-21 · 9 (21.7.1905) · p. Seite 70

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
9 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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70 LITERATURBLATT No. 9 Was also tun? „Nicht Palästina oder Territorium“, so belehrt uns Coralntk, „sondern Palästina als Territorium“. Ob wohl viele diese Feinheiten verstehen werden, zumal das „Volk“, von dessen gesunder Logik C. so oft spricht? Was spricht denn mit einem mall für Palästina? Und siehe da, auf S. 30 führt er an, was er auf S. 25 abgelehnt hat. Hier fehlt dem Autor, was nach Ablehnung der Gefühlsmomente sehr schlimm ist, die Logik. Aber es ist begreiflich, denn auch er vermag nichts Besseres zu bieten. Nachdem er auf 29 Seiten kritisiert hat, bietet er auf 4 Seiten Positives. Coralnik kritisiert zuviel. Er findet in jeder Suppe ein Haar, darum schmeckt ihm keine Suppe — auch die nicht, die er selbst kocht. Er verwahrt sich verächtlich gegen die Schlagworte, die bisweilen im Zionismus die Logik ersetzt hätten. Statt dessen bringt er das Programm der „Gegenwartsarbeit“. Was er da sagt, sind fast lauter Allgemeinheiten, Schlägworte, nichts als Schlagworte: Regulierung der Auswanderung, wirtschaftliche Organisation der jüdischen Einheiten in ihren Wohnorten, Volksbilldung, Volksliteratur, Solidarisierung aller jüdischen Massen usw. Beginne damit etwas, hoher Kongress! In Coralmiks ganzen Deduktionen, so klug sie sein mögen und so viel Richtiges sie im einzelnen enthalten, steckt ein Fehler. Geschichte wird nicht mit Logik gemacht, und das wirkliche Leben richtet sich nicht nach der Logik, sondern ist ein Auf und Nieder von Kräften und Lasten, Und wer in diesem Getriebe die Kräfte des Gefühls ausschaltet, der darf sich nicht wundern, wenn das Leben anders geht als seine Maschine. Elias Auerbach. ._ Notizen Die Juden in Bombay Über die Judien in Bombay teilt ein Korrespondent der Londoner JEWISH CHRONICLE nachstehende, noch sehr wenig bekannte Einzelheiten mit. Demnach gibt es in Bombay 3 Arten von Juden, welche durch Ursprung, Aussehen, Sitten und Gewohnheiten sich streng' von einander unterscheiden. Am interessantesten sind die schwarzen Beni Israel, die zur Zeit in einer Anzahl von einigen hunderten Familien in Cochin wohnen und von denen 25 gegenwärtig als Köche in Bombay beschäftigt sind. Die zweite Kategorie von Juden bilden die weissen Beni Israel, die fast sämtlich in Bombay wohnen, wo sie eigene Synagogen besitzen. Ihre Vorfahren waren schiffbrüchige Juden, welche nach ihrer Landung sich einheimische Frauen nahmen. Ursprünglich widmeten sie sich in so grosser Anzahl dem Militärdienst, dass sie ehemals bei der Ostindischen Kompagnie eigene Regimenter bildeten und in den früheren Kriegen mit den Eingeborenen eine hervorragende Rolle spielten. Nach erfolgter Verstaatlichung der Gesellschaft und der hiermit verbundenen Reorganisation der Militär- und Zollverwaltungen in Indien wurden diese Regimenter aufgelöst und die einzelnen jüdischen Soldaten über die ganze Armee verteilt. Dieses hat im Verein mit der Tatsache, dass die Offiziersstellen in Indien fast ausschliesslich an Engländer vergeben werden und die Juden sehr geringe Chancen zur Beförderung haben, bewirkt, dass die Beni Israeli nach und nach die Militär-Karriere gänzlich aufgegeben haben und zum Handwerk und Handel übergegangen sind. Obwohl sie sich im Laufe der Jahrhunderte den Sitten und Gewohnheiten der Eingeborenen völlig angepasst haben, halten sie sich von diesen streng abgesondert. Der Grund für diese Erscheinung ist neben ihrer Religion auch die Tatsache, dass sie stark die Schulen frequentieren und der überwiegenden einheimischen Bevölkerung geistig sehr, überlegen sind. .. Ausser diesen alt eingesessenen Juden, welche ’mehr oder weniger fremdes Blut in ihren Adern haben, leben noch in Bombay 500 Familien

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