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Jüdische Rundschau · 1905-07-21 · 9 (21.7.1905) · p. Seite 69

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
9 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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No. 9 LITERATURBLATT 69 Register zu den Protokollen der Zion'sten-Kongresse I—VI. Von Hugo Schachtel - Breslau. [Erweiterter und nochmals revidierter Separatabdruck. Jüdischer Verlag, Berlin, 1905. 40 Seiten mit einem Anhang: Palästina-Bibliographie. 75 Pf. Die Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU kennen die fleissige Arbeit unseres Breslauer Gesinnungsgenossen, und manchem, der. die einzelnen Fortsetzungen gesammelt hat, wird sie schon gute Dienste geleistet haben. Jetzt liegt sie nun in einer nochmals revidierten und vor allem reichlich erweiterten gescihmackvolllen Broschüre vor, die ihre Benützung noch angenehmer machen wird. Und benutzt werden wird das Büchlein viel von allen, die sich mit dem reichen Material beschäftigen wollen oder müssen, das in den Protokollen Unserer bisherigen Kongresse niedergelegt ist, nicht nur über die Geschichte des Zionismus, sondern über die Lage der Juden aller Länder. Und gerade in der gegenwärtigen Lage des Zionismus besteht mehr als je ein Interesse daran, die Behandlung der einzelnen Fragen protokollarisch nachprüfen zu können, und da es im einzelnen Fall wohl unmöglich ist, ein ganzes Protokoll (über 300 Se.iten) — und noch viel weniger alle — auf ein einzelnes Thema hin zu durchsuchen, so ist der Wert eines so&hen Registers unschwer zu ermessen. Eine noch wesentlich erhöhte Brauchbarkeit würde der Autor, der sich eiin grosses. Verdienst u:m alle in judaieis und speziell in zionisticis Arbeitenden erworben hat, durch eine noch systematischere Durcharbeitung des Stoffes erzielen, da die gegenwärtige Anordnung doch in dieser Hinsicht manches zu wünschen übrig lässt. Das wird sicher bei einer künftigen Auflage geschehen. Einstweilen wünschen wir dem Büchlein den vollen Erfolg, den eine ehrlich fleissige und so nützliche Arbeit durchaus verdient. ib. Jüdische Zeitfragen, 2. Wien-Leipzig 1905. A. Coralnik: Palästina oder Territorium? Verlag „Zion“ Wien, II/3, Stiefanistr. 12. (33 S.) 8. DDe Frage, ob das Jüdische Volk zu seiner Gesundung der Bodenständigkeit bedarf, wird wohl von allen nationalen, Juden bejaht werden. Die Frage, ob dieser Boden unbedingt Palästina sein muss, ist bekanntlich neuerdings selbst im Zionismus, der sie schon längst entschieden hatte, ein Gegenstand erbitterter Kontroverse geworden. In diesen Streit der Meinungen Klärung und Frieden zu bringen, war die Absicht Coralniks bei der Abfassung der vorliegenden Schrift. Ich kann nicht glauben, dass ihm das gelingen wird. Der erste Teil, die Kritik des „Territorialismus“ (der einen Judenstaat „irgendwo“' will), enthält manche treffliche Stelle. Vor allem legt auch Coralnik, ganz im Sinne dies Ref., den Nachdruck darauf, dass es eine Utopie ist, der Juden not und der Auswanderung durch eine Kolonisation — und sei es auf dem glänzendsten Terrain — abhelfen zu wollen. Dazu bedarf es eines Landes mit hochentwickelter Kultur, die ein rasches Unterbringen grosser Massen ermöglicht. Ref. teilt ferner die Ansicht Coralniks, dass die Territorialsten (die Landsucher) das Land, das sie suchen, nie finden werden. Coralnik ist allso Palästinenser? Nein, nein! So glatt geht es nicht. Er gehört zu denen, df.'e es nicht mit anhören können, dass jemand aus seinem Gefühl heraus eine Anschauung energisch vertritt. Das ist ihm nicht logisch genug. Er untersucht allso d)e logischen Grundlagen der Anhänglichkeit an Palästina und findet keine. Eine Sehnsucht des Jüdischen •Volkes nach Palästina disputiert er fort. Sein Satz: „,.Man sehnt sich nicht nach einem Lande, das man nicht kennt“, zeigt so recht, was Coralnik trotz der raffiniertesten Logik fehlt: Die Psychologie. Ich möchte fast mit einem Paradoxon sägen: „Man sehnt sich erst recht nach einem Lande, das man nicht kennt.“

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