Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 9 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8295971-9045908-8207030--084-8189737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
65 LITERATURBLATT No. 9 Literaturbericht Palästina. 24 Aquarellle von R. Julius Hartmann mit erläuterndem Text von Immanuel Benzinger. Stuttgart: Theodor Benzinger (1905). In eleganter Mappe in Künstlerleinen 8 Mark. Luxusausgabe in Ledermappe 18 Mark. Die „Asia“ ist nur ein kleines Schiff, das einem genuesischem Rheder gehört, der, wie es scheint, nicht all'zuviele Rücksichten aiuf seine Passagiere zu nehmen gewöhnt ist. Und diese „Asia'1, ein alter Klapperkasten, der nur mühsam eine geringe Anzahl von Knoten in der Stundet zurücklegt, hat sich bei ihren Passagieren vom Jahre 1898 ein Andenken erworben, wie es ihr von Rechtswegen kaum zukäme. Aber das Pferd, das den Hafer nicht verdient, bekommt ihn eben doch immer wieder. Die „Asia“ vereinigte nämlich während der Kaiserreise nach dem Orient in sich ein paar Reisegesellschaften, unter denen sich Leute fanden, die etwas über das Durchschnittsmass gewöhnlicher Orientreisender hinausragen. Von ihnen sind uns allmählich eine Reihe von Reisebeschreibungen geschenkt worden, von denen nach Autor und Inhalt die weitaus bedeutendste Pfarrer Friedrich Naumanns Schrift ist. Zu dem vorliegenden Werke haben sich zwei selten berufene Männer vereinigt, um eine Leistung zu schaffen, die jedem Kenner und Freunde des Orients eine angenehme und liebe Erinnerung an schöne Länder sein werden. Der eine, der darstellende Künstler, machte die Reise auf der „Asia“ mit, die auch zu des Rezensenten schönen Erinnerungen zählt, und der andere war der eigentliche Unternehmer der ganzen Asiafahrt. Dieser Lic. theol. Immanuel! Benzinger ist bekanntlich der Herausgeber des früher Soeinschen Baedeker von Palästina und gilt mit Recht für einen der hervorragendsten Kenner des Landes Israel. So ist denn auch der von ihm zu den Aquarellen gegebene erläuternde Text in seiner Art auf derselben Höhe wie die Aquarelle selbst. Und das besagt nicht wenig. Denn sie sind von einer so ausserordentlichen Naturtreue, von einer so zarten Farbenwirkung und zugleich mit einem so tiefen künstlerischen Bl'ck ausgewählt, dass es kaum etwas schöneres an Darstellung aus dem Lande Kenaan gibt. Besonders sind die Lichtwirkungen mit einer Meisterhaftigkeit ohne gleichen ausgeführt. Die Reichhaltigkeit der Sammlung ergibt sich aus der folgenden Aufzählung der Aquarelle. Titelbild: Omarmoschee in Jerusalem. 1. Pyramiden und Sphinx. 2. Ramsesstatue bei Memphis. 3. Mamelukengräber bei Kairo. 4. Jerusalem vom Ölberg' aus. 5. Tempelplatz in Jerusalem. 7. Grabeskirche in Jerusalem. 7. Erlöserkirche in Jerusalem. 8. Dormition und Coenaculum in Jerusalem. 9. Gethsemane. 10. Via d.ollorosa in Jerusalem. 11. Kidrontal. 12. Bethlehem. 13. Rahels Grab bei Bethlehem. 14. Apostelbrunnen am Wege nach Jericho. 15. Jericho. 16. Totes Meer. 17. Samaria. 18. Johanniskirche in Samaria. 19. Jakobsbrunnen bei Sichern. 20. Karmell. 21. Nazareth. 22. Ti'berias und See Genezareth. 23. Damaskus. 24. Baalbek. Obwohl also eine ganze Reihe von Bildern spezifisch christliche Heiligtümer und Erinnerungsstätten zur Darstellung bringen, sind doch auch die allgemein palästinischen und deshalb im besonderen jüdischen Gegenstände der Darstellung zahlreich genug, um auch jüdische Freunde Palästinas zu veranlassen, dieses künstlerisch vollendete und dabei naturgetreue Kunstwerk sich anzuschaffen. Man kann gar nicht das Aquarell vom Jakobsbrunnen bei Sichern mit seinen wunderbaren intimen Lichtwirkungen sehen, ohne den Wunsch aufkommen zu lassen, mit diesem wundervollen kleinen Kunstwerk das jüdische Heim geschmückt zu sehen. Wir wissen der „Asia“ Dank, dass sie uns eine solche reiche Palästinaliteratur geschenkt hat und im besonderen auch Dank für die Veranlassung dieser schönen Gabe. H. Sachse.