Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 8 (14.6.1905)
- Date
- 1905-06-14
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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LITERATURBLATT 60 No. 8 darf keines Hinweises, dass es wohl bald kein einziges zionistisches Hajus geben wird, in dem dieses schönste Gedenkbuch Theodor Herzls fehlen wird. Heinrich L o e w e. Doktor Meierowitsch Aus dem Zyklus „S b u c i u m“ (Qualen) von Horia Carp. (Aus dem Rumänischen übersetzt von Jancu Qrünber g). Maische Meierowitsch war von meiner frühesten Jugend her mein Freund. Im Chetier haben wir zusammen „Blindzigkeit“ und in der Volksschule Ballen gespielt, sind zusammen aufs Eis gegangen, haben in den ersten Gymnasialklassen Hange Zeit am selben Tisch gegessen und oft dasselbe Bett geteilt. Mein . Freund hatte ein sanftes Wesen, er war intelligent, aber ohne jede Energie. Er war von einer Güte, die zuweilen bis zur Selbstaufopferung ging, aber von eigenem Willen hatte er keine Spur in sich. Gm keinen Preis der Welt hätte er es gewagt, jemandem zu widersprechen,, selbst wenn man ihm die dümmsten Sachen vorgeplauscht hätte. Zu alledem war er noch arm, sogar noch ärmer als ich. Wenn1 ich jetzt an meinen Freund und an sein Leben vor zwanzig Jahren denke, kann ich mir nicht erklären, wieso er nicht Hungers gestorben ist und wie er sich bis heute durchgerungen hat. Und doch hat er sich gut durchgebracht und ist heute weniger arm als ich. Not und Mangel hatten uns auf viele Jahre getrennt. Zwei Jahrzehnte sind es, seit wir nichts mehr von einander gehört hatten. Vorgestern trafen wir uns zufällig. Er erkannte mich und hielt mich an. Schlank, stark und schön, elegant gekleidet wie er war, konnte ich in ihm nicht meinen unglücklichen Jugendfreund, den hungrigen, schlecht gekleideten, schlecht genährten, ewig eine Münze von 10 Bani suchenden Mioische Moierowitsch erkennen. „Du erkennst mich also nicht,” sagte mir mein Freund und reichte mir eine Visitenkarte, auf der zu lesen war: Mihai Merescu Doctor der Medicin. Und als er mich noch immer verlegen sah, fügte er lächelnd hinzu: „oder besser,, Molsche Meierowitsch.“ Ja, er war es. Jetzt erkannte ich ihn nach allem, nach seiner Gestalt, nach seinem gutmütigen Blick und sogar nach seinem so traurigen Lächeln. Nun, Doktor Mihai Merescu stand sich jetzt sehr gut; er war reich, hatte sogar einigen Ruf, aber trotz des g'uten Lebens, das er führte, war sein Lächelln ebenso traurig wie das meines Freundes Molsche Meierowitsch. „Du hast also erreicht, was du erstrebt, hast, dich durchgerungen,