Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 8 (14.6.1905)
- Date
- 1905-06-14
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8295971-9045908-8206782--074-8189728- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
59 No. 8 LITERATURBLATT aiiif Palästina eingeschworen, weil er glaubte, auch dort der Judenuot entgegentreten zu müssen, wo sie nicht i׳m Zionismus ihre baldige Lösung finden könnte. So hatten wir׳ alle zu mäkeln an ihm, d,er über unsern Makel erhaben war. Und!gerade darum, weil er nicht in die Schablone eines einzigen von uns passte — und, schliesslich;doch auch, weil er unser einziger grosser Mann war, — .darum ,blieb er die ganze Zeit seines kurzen Lebens unser unbestrittener Führer, vor dem d|:e Geschosse kleinlieber Feindseligkeit wirkungslos niederfielen. Der siebente Kongress, wird sich mit dem Erbe beschäftigen müssen, das unser Theodor Herzl hinterlassen hat. Er wird Mittel und Wege suchen müssen, um das von Herzl begonnene Werk in seinem Geiste fortzuführen. Da ist die vorliegende Sammlung jetzt zum Gedenktage seines Todes doppelt willkommen, dehn sie׳ lässt uns tief in seine grosse Seele schauen, in diese Seele, die so tief ist wie ein Alpenwasser, auf dessen Grunde man doch jedes Steiinchen klar und deutlich sieht, weil es trotz allem, was darin ist und was darüber hinfährt, doch durch seine Grösse gegen jede Trübung gefeit ist. Wir hätten gern am Schluss der Sammlung' jene letzte Kongressrede Her'zls gesehen, die er gewissermassen als ewiges Vermächtnis seinen Kindem zurief, wo er zum letzten Male seinem ganzen Volke als König und Vater gegenüberstand. Wie wenn er seinen nahen Tod! vorausgesehen hätte, hat er uns feierlich den Schwur vorgesprochen, den wir an seinem Grabe wiederholt haben: אם אשבחך ירושלם תש:ה ימיגי Das wäre der rechte; Abschluss seiner , gesammelten zionistischen Schriften gewesen, wie er der seines öffentlichen zionistischen Lebens war. Aber auch so schliesst das Buch mit einem;;eben so wichtigen zionstreuen Absclhlussworte, dem Schlusssätze der Eröffnungsrede des sechsten Kongresses: ״In unserer Zukunft in unserem Lande! Und diese Antwort soll bestehen in einem Erhöhen der menschlichen Gesittung.“ Es wäre eOn Widerspruch gewesen, Herzls Nachlass in unschöner Form herauszugeben. Der Jüd׳ische; Verlag hat siich mit Erfolg um eine eben so einfache wie schöne und angemessene Ausstattung bemüht. Das schliesst nicht aus, dass es dringend wünschenswert ist, dass, bald eine billige Volksausgabe erscheint und dass namentlich einzelne Schriften, wie der Judenstaat, bald neu aufgelegt werden. Es ist vielleicht, etwas Versöhnliches darin zu finden,' dass der Jüdische Verlag, dessen Inhaber noch bis zuletzt zu Herzls unversöhnlichen Gegner ziu gehören schienen, seine zionistischen Schriften herfeusgibt. Wir glauben darin die Gewähr zu haben, dass auch hier djie Gegnerschaft im Leben nur so weit ging, als man sie im Interesse der gemeinsamen zionistisehen Sache für notwendig erachtete. Zum Jahrzeiittage Herzls liegt die Sammlung seiner zionistischen Schriften vor. Wenn sonst nach! jüdischen Sitte zu diesem Tage der Grabstein gesetzt zu werden pflegt, so wird hier jenes unvergängliche Denkmal der Oeffentlichkeit übergeben, das Herzl sich selbst gesetzt hat. Es he-