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Jüdische Rundschau · 1905-06-14 · 8 (14.6.1905) · p. Seite 58

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
8 (14.6.1905)
Date
1905-06-14
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 J,, 4 _ _LJJ E RAT U R B LAT T __No. 8 aller Freunde eines in köstlichen Humor leicht veirhiillten bitteren Ernstes schon oft gedruckt wurde. Dann aber folgen die andern Schriften in der Reihenfolge der Zeit, in der siie entstanden sind, und geben eben dadurch die einzige (Möglichkeit, die Entwicklung und das innere Wachstum eines solchen Mannes zu verfolgen. Dem Judenstaat vorangeschickt ist nur eine Wiedergabe des ersten Zusammenti effens mit Baron Hirsch. Das war beinahe ein ganzes Jahr vor dem Erscheinen dieser Schrift, auf Grund deren Herzl den ersten Zionistenkongress nach Basel einberufen konnte. In diesem Gespräch kommt schon so ganz Herzls Person, sein Stil, seine Gedanken zum Ausdruck, dass dieser jugendliche Herzl sich nur in ganz wenigen Zügen von jenem Herizl unterscheidet, der ©in Jahrzehnt später die müden Augen schloss, als er schon einen sehr grossen Teil seines Volkes in geschlossenem .Heereszuge hinter sich vereinigt hatte. Es ist ein hohes Ehrenzeugnis für den verstorbenen Baron Hirsch, dass Herzl nach dem Misserfolg, den er immerhin bei ihm doch hatte, in sein Tagebuch schrieb: „Von den reichen Juden war er der einzige, der etwas Grosses für die Armen tun wollte.“ In dem Briefe, den Herzl' damals zuerst an Hirsch richtete und dann in der ganzen Korrespondenz und der Unterhaltung gibt sich das ganze grosse Selbstbewusstsein, das kindliche Vertrauen zur Ehrlichkeit der andern und jene grade, schlichte Einfachheit zu erkennen, die jeden in ihren Bann zogen, der das Glück hatte, Herzl menschlich näher zu treten. Man mehkt von vornherein den ungeheuren Ernst, die etwas Religiöses atmende SiegesgewissheHt und .'das edelste Vertrauen zu sich und zu seiner Sache, und man fühlt sich so klein gegenüber dieser menschlichen Grösse. Man versteht es, dass dem Baron Hirsch dieser Besuch rätselhaft blieb und bleiben musste, aber auch dass Herzl wohl nur dadurch grade in diesem Manne die gesuchte Stütze nicht fand, weil er starb, ehe Herzl die ersten Schritte getan hatte, um seinem Plane der Rettung der Juden nachzugehen. : Ein einziger grosser Zug geht durch alle seine Schriften, wie durch alle seine Taten. Ausgegangen war er vom Judenelend und von der Judennot, weiil diese seine starke und doch so weiche Seele am meisten und am tiefsten ergriffen, aber wie schon der geistige Inhalt der jüdischen Volkskultur ihn dazu brachte, dieses Judenelend durch Erstarkung des Judenvolkes, nicht durch seine Auflösung, heben zu wollen, so wurde er auch bald zum Mittelpunkt jener ganzen jüdischen Kulturbewegung, der er in den Augen der Kurzsichtigen so fern zu stehen schien. Was wäre denn die ganze Bewegung, dlie einer jüdischen Renaissance entgegenstrebt, und die Wir keineswegs gering einschätzen,:wenn sie nicht doch in Herzl ihren Kristaffisationspunkt gefunden hätte. Vielleicht gab es in der ganzen zionistischen Welt keinen einzigen, der nicht etwas .gefunden hätte, was ihm an Herzl nicht zusagte. Den Misrachisten war er nicht fromm und den Fraktionären galt er als reaktionär. Die „politischen“ Zionisten — politischen mit Gänsefiisschen — fanden ihn zu einseitig palästinisch gesinnt, und den Chowewe-Zion, die sich ja jetzt lieber Zione-Zion nennen, war eir nach ihrer Ansicht zu wenig

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