Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 7 (7.6.1905)
- Date
- 1905-06-07
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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54 No. 7 LITERATURBLATT w^ckellung dienende; steht doch diese Umgebung, die jetzt Lehrmeisterin wjrd, seUbst fast durchweg auf einer sehr niedrigen Stufe. Der Trost, der sonst aus der frommen, gläubigen Hingabe floss und das Leben über des Tages Jämmerlichkeit doch zu erheben vermochte, ist schnell versiegt. Die Einen fallen der Stumpfheit und Resignation zum Opfer, andere folgen lieber der Lockung des „freien“ Lebens, das sie rings um sich erblicken. Pinski zeigt uns diese jungen Leute, die ganz Kinder des Tages geworden sind und ihren Sinn, soweit ihn nicht die Fronarbeit fesselt, an allerhand Nichtigkeiten hängen. Sie finden Gefallen an Liebesabenteuern, von denen doch ihre Väter noch gar nichts wussten, deren einzige Liebe höchstens der Lehre und ihrem Studium galt. Und die Mädchen, die aus des Hauses Schranken in die Fabrik, auf die Gasse geworfen wurden, lauschen in halbnaiver, halb schon wissender Begehrlichkeit gern dem Liebeswerben und gleiten so langsam auf einer schiefen Eebene herab, die wohl manche dem Algrund entgegenführt. — Unser Dichter stellt uns eine Welt von Elend und Dürftigkeit vor Augen, in die eine neue Zeit noch kein Licht einströmen. lässt, sondern bloss eine wilde Gärung hineinwirft, die aus dem dunklen Wasser noch trübere Blasen emportreibt — ein Bild voll düsterer Farben, eine erschütternde Tragödie, die uns tief ans Herz greift und zugleich ein donnerndes Mahnwort an unser Gewissen und unsere Arbeit ist. (Schluss folgt) R. Benjamin von Tudela und R. Petachjah aus Regensburg Ihre Zeit und ihr Verhältnis zueinander Nachtrag und Berichtigungen. Während mein Aufsatz im LITERATURBLATT No. 2—4 sich bereits unter der Presse befand, ging mir ZEITSCHRIFT DES DEUTSCHEN PALÄSTINA-VEREINS Bd. XXVIII, Heft 2 und 3, zu, dlie eine Besprechung meiner Editions des R. Benjamin bringt, aus der Feder des Herrn Prof. J. Goldziher stammend. Seite 152 sagt Rezensent: „Sehr unwahrscheinlich ist die Hypothese des Herausgebers (II, S. 19), dass R. Benjamin die Reise zu dem Zwecke unternommen habe, um für seine unterdrückten südeuropäiscben Glaubensgenossen, die eine Massenauswanderung planten, eine sichere Zufluchtsstätte dn Asien zu erkunden .... Das wahrscheinlichste Motiv für das Reiseunternehmen des R. Benjamin findet man jedoch . . . ., in der Wissbegierde des Reisenden, die Verhältnisse der Glaubensgenossen znm Zwecke der Mitteilung kennen zu ilernen' . . . .“ Dagegen habe ich an folgendes zu erinnern. Es unterliegt woihl keinem Zweifel1, dass die beiden Touristen, R. Benjamin und R. Petachjah, in Regensburg zusammentrafen (vergl. LITERATURBLATT No. 4 S. 29). Da hatte woihir dieser Gelegenheit „die Verhältnisse1 der Glaubensgenossen kennen zu lernen“ aus dem Munde des ersteren. Auch sind beider Reisen nicht unmittelbar nacheinander erfolgt. Zwischen denselben liegt doch mindestens ein Zeitraum von mehreren Jahren. Somit konnte der „Zweck