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Jüdische Rundschau · 1905-06-07 · 7 (7.6.1905) · p. Seite 53

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
7 (7.6.1905)
Date
1905-06-07
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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No. 7 LITERATURBLATT 53 Bedeutung des Dramas. Jenes Milieu bildet den Rahmen zu einem Akt innerhalb der furchtbaren Tragödie jüdischen Elends, es ist der Übergang der jüdischen Paupers zum Fabrikproletariat — ein Prozess von tiefgehender Bedeutung. Er wäre wohl am und für sich zu begrüssen, da er die Aussicht böte, an Stelle der bisherigen Willkür und Regellosigkeit der Erwerbsverhältaisse eine gewisse, vom Zufall weniger abhängige Routinität derselben und für die sinn- und zwecklose Verschwendung' der in diesen Massen unproduktiv vorkommenden Arbeitskräfte eine rationelle, nutzbringende Verwertung zu setzen. Aber die Abnormität, die der ganzen Lage unseres Volkes ihren Stempel aufdrückt, ist, wie Überalk auch hier der hemmende Stein, der sich einer zur Gesundung führenden Entwickelung in den Weg legt. Hier, in Russland, ist es der Zwang einer verblendeten Regierungspolitik, welche die Millionen Juden auf ein enges Gebiet zusammendrängt, das zum grössten Teil nur eine auf niedriger Stufe stehende Industrie besitzt, also nur für einen kleinen Prozentsatz des riesenhaften Angebots einen Abfluss gewährt; gleicherweise steht es in Galizien und Rumänien, anderswo, wie in den neuen Ghetti Londons und Newyorks, sindi ies wieder andere Umstände, die zwar nur gewählte Massen in den Kreis produktiver Tätigkeit hineinziehen, sie aber zugleich zu Opfern schmählichster Ausbeutung degradieren. Dazu kommt die in Jahrhunderten gezüchtete physische Schwächung, die bei der Mehrzahl so weit vorgeschritten ist, dass sie für schwerere Handarbeit unfähig geworden ist; darum stellen sie eiin übergrosses Kontingent zu gewissen leichteren Beschäftigungen, wodurch natürlich in diesen Erwerbszweigen die Löhne auf eiren abnorm niedrig'em Stand heruntergedrückt werden. Ohne auf die näheren Verhältnisse des jüdischen Fabrikproletariats weiter einzugehen, lässt sich doch feststellen, dass das ökonomische Ergebnis dieses Umwandluingsprozesses bis jetzt im allgemeinen kaum einen Aufstieg bedeutet. Hier interessieren uin® mehr seine moralischen Wirkungen, denn diese hat Pinski a!ls zweifellos kundiger Beobachter in eine so helle, scharfe Beleuchtung gerückt, wie sie uns noch fremd war. Bei aller leiblichen Not und geistigen Enge, die sonst das Leben der jüdischen Masse beherrscht, schwebt doch ein eigener, warmer Hauch über ihm. Die Religion, die dem Menschen zu jeder Stunde Begleiterin ist, und auch das ganze äussere Leben in seinen Bann zieht, die Tröstungen und Hoffnungen, die aus ihr in sein Elend hineinfliessen, die Innigkeit des Familienlebens — alles das verleiht dem Dasein iin mancher Hinsicht Gehalt und Geschlossenheit. In diese zwar dumpfe, aber doch von einer gewissen Wärme erfüllte Luft der Zimmerenge pfeift nun auf einmal mit schneidender Kälte der rauhe Wind der Aussenwelt, der ihre Bewohner aus ihrem beschränkten Frieden herauszerrt. Die neuen Eindrücke und Einflüsse, die plötzlich von aussen her eindrir.gen, erzeugen in den Menschen eine innere Umwertung, sie sich zumal in der jüngeren Generation schnelll durchriingt. Der hohe Wall, den Vorschrift und Tradition um das Leben gezogen haben, wird erschüttert und gesprengt. Durch die Risse und Lücken halten die Einwirkungen der nichtjüdischen Umwelt ihren Einzug, doch selten wohltätige, der Aufwärtsent- .!!!!■

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