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Jüdische Rundschau · 1905-06-07 · 7 (7.6.1905) · p. Seite 52

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
7 (7.6.1905)
Date
1905-06-07
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 LITERATURBLATT No. 7 nur natürlich, dass wir in der merkwürdigen Erstgeburt, die im „Eisik Seheftell“ verkörpert ist, noch ein unsicheres Tasten, ein Ringen um den Ausdruck finden, das leicht in Gefahr gerät, in seinen Mitteln fehlzugreifein.. Der Inhalt des Stückes ist mit wenigen Worten widergegeben: Eisik Scheftel ist Arbeiter in einer kleinen Militär-Effekten-Werkstatt eines russischen Ghettostädtchens, ein stiller, nachdenklicher Mensch, in dem ein technisches Können schlummert, das ihn antreibt, seine primitiven Arbeitswerkzeuge durch eigene Erfindung zu verbessern. Bei aller Dürftigkeit der ihm zu Gebote stehenden Mittel war es ihm schon gelungen, einige kleine Maschinen zusammenzustellen — nicht in gewinnsüchtigem Interesse, denn für einen lächerlich geringen Preis überlässt er sie seinem Arbeitgeber. So sitzt er jetzt wieder vor einem neuen Problem, schon drei Tage Hang in sein Grübeln und Experimentieren versunken, darüber Arbeit, Speise, und Schlaf vergessend. Doch vergebens — verzweifelnd und resigniert gibt er seinem' Versuch auf und schleppt sich dumpfen Sinnes an seinen Platz in der Werkstatt zurück, um in der Tretmühle der Alltagsmiihsal sein dürftiges, aussichtsloses Dasein weiterzufristen. Um seinem geschwächten Körper und seinem verquälten Herzen wieder etwas Kraft einzuflössen, lässt er sich überreden, zum Branntwein zu greifen — wie mit einem Schlage ist der sonst so ruhige, besonnene Mann umgewamdelt, von jetzt an ist es nicht mehr Eisik Scheftel, sondern der Schnapsteufel in ihm, der sein Handeln Henkt. Alle Leiden, die er vorher standhaft ertragen, bohren sich jetzt wie scharfe Nadeln in seine Seele ein, der nagende Schmerz über sein Misslingen, der Spott seiner Arbeitsgenossen, das Gefühl der Schwäche, die ihn der Versuchung durch den Alkohol erliegen liess, die verletzende Roheit seines Brotherrn, Trunkenheit, Scham und Verzweiflung ■ rauben ihm jede Widerstandsfähigkeit und treiben ihn in ein sinnloses Wüten. Er zertrümmert die von ihm selbst geschaffenen Maschinen, an denen sein ganzes Herz hing, und irrt stundenlang im Walde umher, wie ein Tobsüchtiger rasend. Er betrinkt sich von neuem und findet erst spät abends den Weg in seine Behausung. Hier bricht er zusammen •— die Erkenntnis seiner Selbstentwürdigung und der nachwirkende Gram über diie nicht bestandene Probe seines Könnens treiben ihn in völlige Verzweiflung, und er macht seinem Leben ein Ende. Soweit die Handlung: sie ist einfach, fast dürftig zu nennen. Die psychologische Motivierung lässt uns unbefriedigt, namentlich hat uns der Dichter den verhängnisvollen Umschlag im Schicksal Edsik’s nicht recht glaubhaft zu machen vermocht. Ebenso wenig überzeugend wirkt sein freiwilliger Tod, den er im Augenblicke der Tat, freilich zu spät, wieder bereut. Überhaupt ist der Held die schwächste Gestalt des Dramas, sein Schicksall kann nicht einmal in irgend welchem Sinne als charakteristisch oder typisch gelten. Was uns aber Pinski sonst gibt, ist erchütterndes,, überzeugendes Leben. Er führt uns in ein Milieu ein, in dem er zu Hause ist, dass er schon in seinen Erzählungen als ernster künstlerischer Gestalter in die Literatur eingeführt hat — aber hier malt er mit viel kräftigeren, wirksameren Farben, und in dieser Richtung liegt gerade die Stärke und;

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