Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 7 (7.6.1905)
- Date
- 1905-06-07
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 LITERATURBLATT No. 7 Ausschlaggebend war die Stellung’ zum jüdischen Gesetz. Die einen behielten es bei, das waren die nationalen Juden und Judenchristen, deren Sektenunterschied von hier aus gesehen als unerheblich vernachlässigt werden kann; die anderen lösten es auf, das wurden die Christen, die die Welt eroberten. Das tiefste Problem liegt demnach in der Frage nach der Existenzberechtigung des jüdischen Sondergesetzes und seiner wahren Stellung zur Religion. Man könnte es Eschelbacher zum Vorwurf machen, dass er diese Frage nicht erörtert, die jeder Nichtjude dem1 Juden sofort entgegenhält. Aber freilich, das ist eine grosse, besondere Frage, die auch wir in diesem Rahmen nicht erörtern können. Immerhin empfindet man es als eine Lücke, uhdl dementsprechend’ drängt sich dem Leser fyon E s c h, e lb a c h e r’s Schrift, am Schluss die Frage auf: Was ist denn nun dUs Originale am Christentum? Oder hat es nichts Originales? Sind alle seine wahren Diamanten nur aus der jüdischen Fassung in eine neue eingefügt? Nein, ein Abklatsch erobert sich nicht eine Welt. Das Neue lag darin, dass eben in genialer Einfachheit einmal die Ethik losgelöst vom Gesetz als eigenes und Selbständiges gelehrt wurde. Man könnte sagen: Das Christentum ist eine freie Uebersetzung des Judentums ins allgemeine Menschliche. Jesus war der letzte geniale in der Reihe der alten Propheten. Aber er ist nicht der Gipfel alles Erreichbaren. Von einem irdischen Staatsgesetz hat er die Ethik losgelöst, aber er hat sie mit schweren Retten an den Himmel gefesselt. Ueberirdisches Glauben und Hoffen hat er als unentbehrlich für die Sittlichkeit eingesetzt, und mit ihm tut es Harnack, der in der Tat in weitem Masse zur Lehre Jesu zurückkehrt. Von Jesus beeinflusst äber lehrt auch das unselbständige Judentum der Verbannung ähnlich. Und doch ist die Sittlichkeit ein irdisches Ding und ein Kind des menschlichen Herzens. Sie so ohne fremdartige Voraussetzungen aufs Neue aufzubauen, das erscheint mir nach der Entwicklung in der Vprgangenheit als die Aufgabe eines zukünftigen nationalen Judentums. (Ein zweiter Aufsatz folgt.) Ein jüdisches Arbeiterdrama Von Dipl.-Ing. M. Hecker. „Ein jüdisches Arbeiiterdrama“ — so Hautet der Untertitel des „Eisik Scheitel“ vom David P i n s k i, der neuesten Gabe, die wir dem Jüdischen Verlage verdanken. „Ein jüdisches Arbeiterdrama“ — die Begriffe, die au diesen Worten haften, werden wohl Vielen unter uns so gegensätzlich und ohne Beziehung zu einander erscheinen, dass sie den Zusammenhang, der ihnen hier gegeben wird, nicht verstehen können. Mit anderen Augen wird