Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 7 (7.6.1905)
- Date
- 1905-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu „Jüdische Rundschau“ Jahrg. X. No. 27 Herausgegeben von Dr. Heinrich £oewe. p Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 7. Berlin, den 4. Tammüz 5665 (7. Juli 1905) Jahrg. 1. Ueber Judentum und Christentum Bücherbesprechungen. Von Elias Auerbach. (Fortsetzung.) Der ganze Werdegang des jungen Christentums wird; \erst verständlich, wenn man weiss, dass auch die dem Judentum in der Epoche vor Jesus sich anschliessenden Proselyten zum jüdischen Gesetz in ihrer grossen Mehrheit eine andere Stellung eiunahmen, als die im Judentum geborenen Juden. Das Ritualgesetz hatte für sie zum grössten Teil keine bindende Kraft, und es gab ein H ei den j u de ntulrn, das dem späteren Heiden Christentum, abgesehen von der Polemik gegen das Judentum, durchaus entsprach. Das entscheidende Ereignis für die Entwicklung der Dinge war die Vernichtung der nationalen Selbständigkeit des jüdischen Volkes. Die Zerstörung des jüdischen Gemein Wesens ist die nächste Ursache für die Entstehung des Christentums. Denn jetzt erhob sich die Lebensfrage: Sollen wir, um die jüdischen Ideen — oder die christlichen, nennt es, wie ihr wollt — weiter zu verbreiten, das beschränkende Gesetz und damit den organisierten Verband des Judentums fallen lassen oder: Sollen wir, uns fest als Juden zusammenschliessend, traditionelles Judentum in die Zukunft hinüberretten, und damit auf eine weitere Missionstätigkeit vorläufig verzichten? Wann hat je in der Geschichte eine solche Frage eine einstimmige Antwort gefunden? Sie hat zwei Antworten gefunden: Die eine ist die Erhaltung des jüdischen Volkes, die andere ist die Entstehung des Christentums. Wer freien Geistes die Geschichte überblickt, wird sich freuen, dass beide Antworten gegeben worden sind. Es kommt nicht darauf an, zu sagen, dass diese oder jene Entscheidung die richtige war — das ist unhiistorisch, denn beide waren notwendig. Sondern zu verstehen, warum diese Antworten so gegeben wurden, das ist das Wichtigste.