Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 6 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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43 No. 6 LITERATURBLATT will, teilt. Die Aufnahme dieses Artikels war der grösste Fehler der Redaktion der STIMME DER WAHRHEIT. Denn er bedeutet einen Angriff auf die elementaren Rechte der deutschen Judenheit. Dazu durften sich Zionisten nicht hergeben, so sehr auch der Aufsatz einer frischfröhlichen Agitation der Zionisten entgegenkommt. Etwas anderes ist es mit Lublinski!. dem es nur vielleicht nicht ansteht, dass er als Beteiligter die Rezension für die VOSSISCHE ZEITUNG besorgt hat. Wenn er dort freilich über die Veriibelung seines „Abfalles“ seitens der Unentwegten Klage führt, so zeigt das, dass er nicht weiss, dass wir ihm nicht ganz so viel Wert beilegen, wie er sich selbst, ohne dass wir freilich sein Talent verkennen wollen. Von den programmatischen Artikeln verdienen, auch wenn man ihnen sich nicht anzuschliessen vermag, die Auseinandersetzungen Mathias Achers und ganz besonders Arthur Ruppins das lebhafteste Interesse. Dagegen lässt der eigentliche Leitartikel des ganzen Buches Nossigs Entwicklung des Zionismus doch eigentlich eine rechte Enttäuschung aufkommen. Von Bedeutung wird die Kundgebung Nordaus über die Aufgaben des Zionismus dadurch, dass er voraussichtlich vom Kongress damit betraut wird, diesen Aufgaben den weiteren Weg zu ihrer Erfüllung zu bahnen. Nun noch ein Wort über die Ausstattung: Der Druck ist klar und meist sehr korrekt. Die Leser unseres Blattes wissen ja leider auf Grund dessen, dass unsere Druckerei als force majeure anzusehen ist, einen korrekten Druck recht hoch einzuschätzen. Die Bilder von der nackten Nossigschen Figur — merkwürdiger Geschmack, warum nackt? — auf dem Umschlag und das Kniebild Nossigs im Buche bis zu der Wiedergabe des Bildes von Histadrut, wo die Porträtähnlichkeit jedem Palästiner Freude macht, sind sehr gut gelungen. Das Buch ist äusserlich vornehm und fein ausgestattet, wenn es auch nicht so vortrefflich geraten ist, um Lublinskis „Schreck und drohenden Ohnmachtsanfall” in der VOSSISCHEN ZEITUNG zu rechtfertigen. Wenn wir so über die Einzelaufsätze ein sehr verschiedenartiges Urteil fällen müssen, so ist doch unsere Meinung' über die Redaktion des Werkes eine ungeteilte. Der Herausgeber hat es wohl verstanden, eine grosse Anzahll von geeigneten und ungeeigneten Personen zur Mitarbeit zu veranlassen, aber hat diese nQcht zu einem Ganzen zu vereinigen' gewusst. Das ist keine Redaktion, die ungesondert die Reinen und Räudigen in einer Herde vereinigt. Man kann da nur von einer wenig kritischen Zusammenstellung und Zusammenstoppelung, aber nicht von einer eigentlichen Redaktion sprechen. Alles in allem haben wir viel auszusetzen. Und doch ist das Endergebnis kein Ungünstiges. Das Buch bringt vieles, und deshalb unter vieler Spreu auch recht viel Brauchbares. Der Preis ist für den grossen Umfang und für den sauber hergerichteten Band ein recht mässiger und, wenn nicht der Geigersche Angriff auf. die Staatsbürgerrechte der deutschen Juden darin wäre, würden wir es sogar empfehlen. E1 j ä q i m.