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Jüdische Rundschau · 1905-06-23 · 6 (23.6.1905) · p. Seite 42

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
6 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 No. 6 LITERATURBLATT ohne den wahren Genuss zu konstatieren, den uns dieser Aufsatz verschaff hat. Nicht minder anerkennenswert sind die „Christlichen Stimmen über den Zionismus“, wenn wir auch nicht oft genug wiederholten können, dass wir die Gutachteneinholung bei Niehtjuden des Zionismus noch weniger würdig erachten als sonst bei Juden. Es ist das so ein Rest jenes Schutzjudentums, das s ch durch Gutachten von christlichen Autoritäten urkundlich bestätigen lässt, dass die Jiuden zum Pessachifest {keine kanibalischen Mahle abhalten. Immerhin ist es erfreulich, solche Stimmen von uns auch sonst so sympathischen Erscheinungen zu hören wie 'Dukmeyer. Die „Stämmen über Theodor Herzl” sind1 recht wenig der Grösse dtes Toten angemessen, so sympathisch die Aeusserungen von Friedländer, Marmorek, ^Kurrein berühren. Aber da sind die Gedichte, die überhaupt für das ganze Buch so entsetzlich ausgewählt sind. Gedichte soll man doch nur bringen, wenn sir wirklich gut sind. Das Gegenteil war hier;aber der Fall. Was Dr. Osias Thon will, ist uns unverständlich geblieben. An Pasmaniks Artikel ist nur bemerkenswert, dass er auf 1% Oktavseiten 41 Abschnitte zählt, immerhin doch eine anerkennenswerte Leistung. Fs bleiben im wesentlichen noch zwei Abschnitte, der eine zum „Programm des Zionismus”, in dem Alfred Nossig den Ton angibt und Lazar Schön ihn über Palästina und Ostafrika ausklingen lässt, und der andere über „Palästinafragen”. In diesem schreibt Ussischkin über die Erziehung in Erez Jisrael, ein Thema, das ihm ebenso wenig liegt,, wie Zangwill über die kommerzielle Zukunft Palästinas ein Urteil hat, über das er darum nicht minder geistreich abhandelt, als wenn er eine Ahnung davon hätte. Dagegen schweigen die Fachleute, über Palästina sich aus. Nur Hillel Joffe, der als alter Palästiner politische Sachkenntnis von Palästina hat, lässt sich vernehmen. Nur muss man sich bei ihm stets vor Augen halten, dass er nicht minder „Partei” in Palästina ist wie irgend ein anderer. Von Wert dürfte voraussichtlich der Aufsatz des Oberingenieur Lau (Olmütz) über diie technischkulturellen Aufgaben in Palästina sein, doch müssen wir uns selbstverständlich jedes Urteils darüber enthalten. Joffes Aufsatz ist mit einigen andern von Kleinmann, Eisler und Dithfurth zu einer Abteilung Vermischtes aim Schluss des Bandes vereinigt, wenn wir recht verstehen, wohl nur aus dem Grunde, dass diese Arbeiten erst verspätet, in die Hände der Redaktion gelangt sein dürften. Ueber „Zionistische Literatur” handelt eigentlich nur eine Schrift von Julius Urgiss, einem Namen, dem wir hier zum erstem Malte, hoffentlich aber auch zum letzten Male begegnen. Das ist eine miserable Zusammenstellung, die von geistigem Nichtkönnen Zeugnis ablegt. Von der vierten Abteilung „Für und wider den Zionismus” haben wir wiederholt bereits jenen Aufsatz des Prof. Geiger berührt, der dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus noch immer nicht Veranlassung gegeben hat, gegen ihn aufzutreten, so dass man annehmen muss, dass man irr Bureau in der Magdeburgerstrasse die antisemitische Gesinnung Geigers, der einem sehr beträchtlichen Teile deutscher Juden die Staatsbürgerrechte ihrer politischen und religiösen Gesinnung wegen entzogen wissen

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