Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 5 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38• LITERATURBLATT No. 5 der jüdischen Tradition zeigen von einer seltenen Konzeptionsfähigkeit. Der Umstand, dass sein Hauptwerk hebräisch geschrieben ist, hat überdies dazu beigetragen, dass in den Gegenden des Ostens, denen dieses Idiom zugänglicher ist, in den weitesten Kreisen das Interesse unserer Glaubensbriider für .wissenschaftliche Erforschung unserer Geschichte und Literatur wachgerufen wurde.“ Weiss wurde 1815 zu Gross-Meseritsch in Mähren geboren und hat als Gelehrter und als Lektor am Beth-ham-Midrasch zu Wien eine überaus fruchtbare Tätigkeit ausgeübt. Sein bedeutendstes Werki'DH'nr דור ד*ר erlebte seit dem Jahre 1893 das für rabbinische Literatur seltene Ereignis einer neuen Auflage. Seine Anleitung zu einer Methodologie des Talmuds, seine Biographieen berühmter jüdischer Gelehrter, seine Ausgaben von Mechilta, Sifra und Beracboth, sowie die von ihm herausgegebenen Monatsschriften gehören zuni Handwerkszeug der auf talmudischein Gebiete arbeitenden Gelehrten ■des Judentums. In seinen von tiefgriindiger Gelehrsamkeit und ebenso grossem Scharfsinn, wie echt jüdischem Geiste durchtränkten gelehrten Werken wird Weiss fortleben. Literaturbericht Die Verbände und das gesetzestreue Judentum. Unter besonderer Bezugnahme auf den Verband der jüdischen Lehrer-Vereine im Deutscher! Reiche beleuchtet von Provinzial-Rabbiner Dr. M. Cahu in Fulda. Mainz: .!oh. Wirthsche Hofbuchdruckerei A.-G. 1905. XIV, 210 S. 6°. Ungeblinden 1,50 Mark. Die vorliegende Streitschrift richtet sich gegen die jüdischen Lehrervereine und insbesondere gegen den!Herausgeber des Lehrerverbandsorgans, den Lehrer M. Steinhardt in Magdeburg. Sie ist lebendig geschrieben und zeigt Sachkenntnis. Aber sie vertritt ebenso einen einseitigen Parteistand- Punkt wie ihr Gegner und wir können nicht einmal sagen, dass die Wahrheit in der Mitte läge, die liegt weit abseit von dem beiderseitigen Wege. Lebendiges junges Judentum werden beide nicht schaffen. Das kommt von einer anderen Seite. Aber lesenswert ist die Cahnsche Schrift, H. Sachse. Judentum imd Assyriologie. Drei volkstümliche Vorträge, gehalten im Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Berlin, von Dr. Sch. Ochser. Berlin NW. 77: S. Calvary & Co. 1904. 63 S. 8°. 2 Mark. Unter der ungeheuren Literatur, die Delitzschs Bibel-Babel entfesselt hat, einem Sturm!, den er rief und dann nicht mehr los wurde, machte die kleine Ochsersche Schrift einen recht wohltuenden Eindruck, weil sie nicht mehr sein will als Volkstümliche Vorträge über ein Thema, über das so vielle wissenschaftlich sein wollende Broschüren erschienen sind, die eben wissenschaftllieh nicht sind Die flotte Darstellung zieht an. Das Material ist gut gesichtet und disponiert. Auch ohne mlit allem übereinzustimmen, was Ochser ausspricht, muss der Versuch anerkannt werden unter Wahrung des eigenen Standpunktes nach Objektivität zu streben. Das will im Babel- Bibelstreit anerkannt sein. H. L. Dreiundzwanzigster Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, erstattet vom Kuratorium. Mit einer wissenschaftlichen Beigabe von Dr. E- Baneth: Der Mischna-Traktat Abot mit Maiimuni's arabischem K o/m m e 111 a r. Berlin 1905: H. Itzkowski (VI, 50, 22. S.) gr. 8. Aus dem vorliegenden Jahresbericht ist besonders das Verzeichnis der im Berichtsjahre der Bibliothek zugewendeten Bücher von Interesse. Leider haben unsere deutschen Juden, die viele Tausende für deutsche Forschungen im Orient ausgeben, die nicht immer vorurteilsloser Wissen-