Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 5 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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LITERATURBLATT No. 5 * 39 schaft diesen, kein Verständnis für die Bedeutung jüdisch-wissenschaftlicher Bibliotheken. Die Lehranstalt ist doch liberal, wenigstens in ihren Absichten und in den Namen mancher Lehrer. Da sollten se die liberalen Juden für geboten erachten, für den Ausbau der Bibliothek für ,,liberale Wissenschaft des Judentums” durch Spenden zu sorgen. Sie könnten da unendlich viel von den Dollarjägern überm grossen Wasser lernen. Warum hat sich noch immer kein reicher Jude gefunden, die wie ein Carnegie eine Bibliothek für die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin oder eine Nationalbibliothek für Jerusalem „gründet”. Grosse Bibliotheken wären Denkmäler, die sich liberale Juden für die Ewigkeit bauen könnten. Ein Denkmal anderer Art ,ist es freilich, das der Qelenrte Baneth in der wissenschaftlichen Beigabe des Berichts zugleich seiner „Rinka” und dem Rambam zum siebenhundertsten Gedenktage. seines Todes widmet. Es bedarf keines Hinweises auf die Wichtigkeit dieser Publikation und ebensowenig auf die Exaktheit der Edition. Aus dem Bericht sei noch hervorgehoben, dass die Rabbinatskandidaten, die im Berichtsjahre die Reifeprüfung bestanden haben, sämtlich Zionisten waren. Wer hätte das ausser uns vor 10 Jahren geglaubt! Eljäqim. Jahresbericht der Lese- und R e d e h a 11 e jüdischer Hochschüler in Wien über das Verein sjahr 1904. (XX. und XXI. Semester.) Nebst einem wissenschaftlich-literarischen Teil. Wien (Selbstverlag 1905). (62 S.) 8. Der überaus rührige und tätige Verein „Lese- und Red.ehalle” legt einen Bericht vor, der von seiner Tätigkeit ein sehr erfreuliches Bild gibt. Der literarische Teil verdient freilich noch mehr die Beachtung der weitesten Kreise; denn er enthält zum Teil recht wertvolle Sachen auf - engem Raume. Auf Mathias Achers Artikel „Die Juden und das Drama” sei g.inz besonders hingewiesen. Der poetische Teil leidet sehr daran, dass keine Dichter ihn verfasst haben, wobei wir freilich das böhmische Gedicht des Böhmen Jaroslav Vrchlicky über Morris Rosenfeld aus sprachlichen Gründen leider nicht zu beurteilen vermögen. Ein Verslein von N o r d a u, das mit zwei andern von ihm dort zusammen publiziert ist, möge hier immerhin ein Plätzchen finden: Zuversicht, Dem Bischof sagt der Staat: „Wir sperren Dir das Gehalt!V Drauf lächelnd der Prälat: „Ihr Herren, Ich spotte der Gewalt. Entzieht mir immer Eure Gaben, Wie ihr mir gottlos droht. Die Kirche fürchtet keine Not, Solang’ wir — reiche Juden haben. E 1 j ä q i m. Otto Kraus: Sozialismus und Zönismus. Briinn 1904. (13 S.) 8. Der Verfasser sucht sich mit dem Sozialismus auseinauderzusetzen und tut das bei Gelegenheit ebner Rede des polnischen Sozialdemokraten Daszynski, der aus naheliegenden Gründen auf dem Parteitag der polnischen Sozialdemokratie die Existenz einer jüdischen Nation ln Abrede gestellt hatte. Zugleich setzt er dich mit dem Artikel auseinander, den der Schützling des Prof. Ludwig Geiger, der Berliner jüdische Gemeindebibliotheka; Eromier unter dem Pseudonym Dr. Elias Jacob in Hardens ZUKUNFT gegen das Judentum verbrochen hat. Das war unnötig: denn der Artikel hatte nur Bedeutung, weilt er ein 'so bemerkenswertes 'Schlaglicht auf die Anschauungen warf, die unter dem Namen „liberal” in der Berliner Jüdischen Gemeinde dominieren. Kraus Schrift ist ganz nett; es wäre aber wiinschens-