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Jüdische Rundschau · 1905-06-09 · 5 (9.6.1905) · p. Seite 35

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
5 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 No. 5 LITERATURBLATT geben. Aber es ist merkwürdig. Ein christlicher Theologe darf, ohne sieh dessen schämen zu müssen, absolut unwissend auf dem Gebiete dies jüdischen Schrifttums, vor allem der Mischnah und des Talmuds, sein. Und darum tun wir Harnack keine Schande in den Augen seiner Fachgenossen an, wenn wir ihn dieser absoluten Unwissenheit zeihen. In der Entstehungsgeschichte einer Bewegung, die aus dem Judentum hervorsprosste, sind Mischnah und Talmud, wenn mein Gedächtnis mich nicht täuscht, nicht ein einziges Mal zitiert! Und doch ist es klar, dass man ■zuim Verständnis der Entwickelung des Christentums das zeitgenössische Judentum genau kennen muss, wenn man sieh nur die eine Tatsache vergegenwärtigt, dass ja die ersten Christen Juden waren und unter Juden wirkten. Die geschichtlich interessanteste und für das Eindringen in diese Probleme wertvollste Frage ist die: Wie kam es, dass diese neue Bewegung im Judentume die Grenzen des Judenvolkes überschritten und sich von ihm losgelöst hat? Zur Beantwortung dieser Frage findet der nachdenkliche Leser eine Fülle schönen Materials in Eschelbaeher’s Schrift, und wenn ich dien Autor recht verstanden habe, ist diese Frage der rote Faden in seiner Darstellung. Und hier müssen wir es Eschelbaeher Dank wissen, dass er oft und mit Nachdruck auf eine, wie mir scheint, bisher viel zu wenig gewürdigte Erscheinung hinweist, das ist die Ausbreitung des Judentums im römischen Reich zur Zeit Christi. Hier ist der Schlüssel zum Verständnis des Siegeszuges der christlichen Lehre. Seit Jahrzehnten, vielleicht schon seit Jahrhunderten, seit seiner Berührung mit dem Griechentum, hatte das Judentum im Anschluss an die starke jüdische'Diaspora eine lebhafte Missionstätigkeit begonnen. Wenn wir uns aus den spärlichen Zeugnissen, die auf uns gekommen sind, ein Gesamtbild ergänzen dürfen, so ist es das Bild eines starken Zuströmens römischer und griechischer Elemente zur jüdischen Gemeinschaft, deren soziale Sittlichkeit und deren tiefernste Lebensauffassung von der römischen Dekadenz und der griechischen Perversität als ein Jungbrunnen ungeahnter Lebensmöglichkeiten empfunden werden müsste. — Es war, wie Eschelbaeher mit Recht hervorhebt, nicht das palästinensische, nicht das Gesetzesjudentum, das hier erobernd vordrang, aber die jüdischen Ideen waren es. Wer will sagen, ob nicht bei einem anderen Verlauf der äusseren Geschicke damals das Judentum die herrschende Anschauung der gesitteten Welt hätte werden können? Auf dem Wege dazu war es. (Fortsetzung folgt.) Horia Carp Ein Mann, der sich um die zionistische Bewegung in Rumänien sehr verdient gemacht hat, ist unstreitig H.oria Carp. Als ausgezeichneter Volksredner bereiste er in den letzten Jahren das ganze Land und hielt überall zündende Reden, welche unserer Bewegung viele Anhänger ge-

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