Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 4 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 No. 4 LITERATURBLATT scheid. Rabbi Benjamins Berichte lauten präziese und erschöpfend. Er gibt genau an, wie weit ein Ort von deem andern entfernt ist, bezeichnet alle Ortschaften, die er passiertee, mit Namen, liess es sich angelegen sein, zu ermitteln, wieviele Mitglieder jede Gemeinde zählte, macht namhaft all die Autoritäten, mit denen er in Berührung kam, kurzum:: ihm entgeht nichts, was von einigem Interesse war. Von alledem erfahren wir blutwenig bei Rabbi Petachjäh. Er fertigt alles und jedes kurz und rasch ab; verschweigt überhaupt mehr alfl er spricht. Nur bei Babylonien — da wird er redselig. Seine ganze Redekunst erschöpft sich schier, so er auf Babylonien und in zweiter Reihe erst, wenn er auf Palästina zu sprechen kommt. Und spricht er einmal von Rabbi Schemiuel Ibn ’AM, da geht er ganz in Lobeserhebungen für ihn auf. Sehr natürlich. Hat ja an den schönen Gestaden des Tigris und Euphrat der Zweck seiner Reise ihren Kulminationspunkt erreicht. In der Hand des Baghdäder Schulpräsidenten lag es ja, ob seine daheim geängstigten Brüder hier im friedlichen Babylon eine sichere (Heimstätte finden werden oder nicht. Daher seine Begeisterung für das Land und den Mann, der jenes seinen Landsleuten zu erschlilessen vermochte. Eines hatte rrjan Rabbi Petachjäh vor Rabbi Benjamin voraus: d. i. einen bedeutenden Reichtum., der ihm zu geböte stand. Dies lässt er im folgender Erzählung durchblicken. „„In Niniveh“,37)' lautet der Bericht, „erkrankte Rabbii Petachjäh und die königlichen Ärzte gaben ihn auf. Dort besteht aner der Brauch, dass, wenn ein fremder Jude daselbst stirbt, die Hälfte des hinterlassenen Vermögens, dem Sultan zufällt. Rabbi Petachjäh immer fein und vornehm gekleidet, galt als reicher Mann. So fanden sich die Notare des Sultans bald ein, um mach dessen Tode das Vermögen in Empfang zu nehmen. Da bat Rabbi Petachjäh, dass man ihn, so krank wie er sei, nach dem jenseitigen Ufer dees Tigris überführen möchte ... Da nun das Wasser eine Heilkraft besitzt, fand er auch alsbald Genesung“.38) Räumlich getrennt, durch Bildungsgang und äussere Vorzüge verschieden von einander, fanden sich dennoch die beiden Reisenden in dem Wunsche vereinigt, die lästige Fessel zu sprengen. Ihre Mühe war vergeblich; ihre Anstrengung trug die erhofften Früchte nicht; aber die Idee, in deren Dienst, sie sich stellten, sie feiert nach vielhundertjährigem Scheintode ihre Auferstehung und unser fester Glauben an die dermaleiinstige Erlösung Israels bestärkt uns in der Hoffnung, dass die Zeit nicht mehr allzufern liegt, die dieser Idee Fleisch und Knochen verleihen wird! D r. L G r ii n h u t. 37) Vgl. b. Ketuböith 77 b. Literaturbericht M. Ussischkin, Unser Programm. Verlag Zion, Wien, 31 Seiten. Preis 40 Heller. Der Titel der vorliegenden Broschüre ist ihr grösster Fehler. Er