Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 4 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 LITERATURBLATT _29 Baghdäder Gaon. Vollends hatte seinen Ruf R. Benjamin verbreitet, wenn er nicht schon früher bis in den Westen Europas gedrungen war. Die Runde von R. Schamuel dürfte R. Petachjah, wenn nicht schon früher,,, so doch jetzt zum ersten Male aus dem Munde R. Benjamin vernommen haben, indem dieser auf seiner Rückreise aus dem Orient auch Regensburg berührt hatte. Da trafen noch die beiden Gelehrten zusammen und der eine dürfte sich Aufklärung über so manches, was den Orient betrifft, von dem andern, der um viele Erfahrungen reicher soeben von der Reise heimkehrte, erbeten und solche auch erhalten haben. Ob sich R. Petachjah schon damals mit dem Gedanken Trug, den Orient zu bereisen, ist schwer zu entscheiden. Das Beispiel aber mag wohl auf ihn eingewirkt haben. Bestimmt haben ihn sicherlich dazu erst die böhmischen Juden, mit R. Jizchalc hal-Labäu, seinem Bruder an der Spitze, die schon früher auszuwandern gedachten und den Gedanken nicht mehr fahren dessen. Dachten sie lirüher aber an Polen; so sollte jetzt das, Ziel der Auswanderung der Orient sein. Welcher Teil desselben, darüber sollten sie eben erst Gewissheit erangen. Gänzlich haben jedoch die Prager, wie es scheint,, ihren ersten Plan nicht aufgegeben. So erklärt sich, weshalb Rabbi Petachjäh seinen Weg über Polen und Russland genommen. Zunächts sollten diese Länder untersucht werden, ob eil nicht in einem derselben eine sichere Zufluchtsstätte geben.3*) Gegen 1178 34) trat unser Tourist seine Emmissionsreise an. Er durchzog Polen, Russland;, die Krim, Chazarien, Armenien,, Medicu,,35) Babylonien, und trat über Syrien und Palästina die Heimreise au. Am längsten verweilte er in Babylonien. In Bagdad, der Haupt- und Residenzstadt des Reiches, machte er die persönliche Bekanntschaft des Schutprä&identen Schemuel Ibn ‘Ali. Dieser behandelte seinen Gast sehr zuvorkommend versah ihn mit Empfehlungsbriefen, die ihm überall den Weg ebneten. Rabbi Petrachjäh machte von hier aus Ausflüge nach allen Teilen des Landes, und lernte es auf diese Weise gründlich kennen. Das Land schien für eine grössere Besiedelung geeignet. An Raum hatte es nicht gefehlt. Über die Fruchtbarkeit des Landes konnte keine Klage geführt werden,. Woran der Plan scheiterte? Sicherlich war Rabbi Schemuel Ibn ‘Ali bei Hofe nicht ausreichend geewesen, diesen günstig für die Sache zu stimmen. Hinsichtlich persönlicher Qualifikation stand Rabbi Petachjäh weit hinter Rabbi Benjamin zurück. Obwohl im christlichen Spanien lebend, hat Rabbi Benjamin dennoch das Arabische beherrscht, während Rabbi Petachjah naturgemäss kein Wort davon verstanden hat. So z. B. erzählt uns. Rabbi Petachjäh, dass eine Herde, die durch ihr Raubwesen die babylonische Wüste unsicher machte, Charamim genannt wurde.36) Weshalb man sie aber so hiess, darüber weiss Rabbi Petacnjäh keinen iBe- M) Vgl. Grünhut’s Einleitung zu den Reisebeschreibungen des Rabbii Petachjah. 34) Von Persien hat Rabbi Petachjah, wie er selbst sagt, bloss eine Stadt gesehen. Diese Stelle hat also Graetz übersehen. 35) Nach Grünhut’s Uebersetzung S. 17. se) G r ti n h u t ebenda S. 7.