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Jüdische Rundschau · 1905-05-26 · 4 (26.5.1905) · p. Seite 28

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
4 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 No. 4 LITERATURBLATT Judentum gestattete, die aufgezwungene Maske ab. Aber als Juden im Lande zu bleiben, das schien ihnen gefährlich. Sie rafften daher ihr Hab und! Gut zusammen, um es! vorauszusenden, und dann selbst teils nach Pannonien, teils nach Polen25) oder sonst wohin auszuwandern. Indes• erfuhr es der Böhmenfürst Wratislaw; da liess er sofort die Häuser mit Soldaten besetzen, und die Juden aller ihrer Habe berauben. Aller Mittel bar mussten sie die Auswanderung aufgeben.20) 1147׳ fielen in Böhmen beim Durchzuge der Wallbrüder 150 Juden als Märtyrer. Um dieselbe Zeit wäre beinahe die grösste Autorität der Judenheit, Rabbenu Tarn, Lehrer des R. Isaak ha-Laban, ums Leben gekommen. Ein Ritter rettete ihn aus der Mörderhand der Wallbrüder.27) 1171 erlitten die Juden Blois den Märtyrertod. Rabbenu Tarn bestimmte, dass jener verhängnisvolle Tag fortan als Trauer und Fasttag gefeiert werden soll. Sendschreiben des grossen Lehrers setzten davon viele Gemeinden, darunter wahrscheinlich auch Prag, in Kenntnis, und sie nahmen ihn an.2s) In den darauf folgenden Jahren verdüsterte sich der Horizont der westeuropäischen Juden, womöglich nur noch mehr. Beschränkungen, Erniederungen, Plünderungen, neue Martyrologien und Auswanderungen lösten in dieser traurigen Zeit einander ab. Um so heller aber bestrahlte die Sonne der Freiheit die Juden Babyloniens, welche ihnen mit dem Kalifen20) Muhammed al-Muktafi in Bagdad (regierte von 1136—1160), aufgegangen war und noch lange unter seinem unmittelbaren Nachfolger, Anür al-Muminin, den Scheitelpunkt nicht berührt hatte. Exilarchat hnd Geonat erhoben sich von neuem zu ater Pracht und Blüte. Vertreter des einen war zur Zeit Rabbi! \3enjam1n, wie schon erwähnt, R. Danieil und des• andern R. Schemuel ben ׳All!. Rabbi Petachjah traif erstem nicht mehr am Leben an. Um so höher aber war R. Schemuel gestiegen. Denn nachdem inzwischen imim Exilarchat eine Vakanz eingetreten war; da hat es R. SohemuG verstanden, beide Ämfter in seiner Person zu vereinigen.30) R. Schamuel war eine Berühmtheit geworden, nicht nur im Orient; sondern sein Ruf drang viel weiter. Aus Kiew richtete ein wahrscheinlich aus Deutschland dort eingewanderter R. Moscheh rituelle Anfragen in ihn.81) Der Rottbek hätte ihn verdunkeln können; aber sein Stern war erst im Aufgehen begriffen und so fielen seine Strahlen noch nicht so weithin. Die Abkanzelung, die er später seitens! Rubens erfuhr, blieb auch vorläufig ein geschlossen in ihren Lehrstuben.32) Rabbi SchemuG galt daher nach wie vor als der '25) G r a e tz ebenda S. 12 ff. 26) Ebenda S. 181—2. 27) Ebenda S. 201—2. 28) Rabbi Benjamin a. a. 0. S. 54 und Einleitung S. 10. 29) G r a e t z ebenda S. 299. 30) Vgl. Epstein, יחום תנאים [אמוראים Separatabdruck aus Mpnatschrilft für Gesch. u. Wissensch. des Judentums, Jahrgang 39, S. 25. 31) G r a e t z ebenda S. 360. 32) Eine Auswanderung, deren Ziel Babylonien sein sollte, war auch zu Lande, wie Rabbi! Petachjah dahinreiste, mit verhältnismässig wenig Schwierigkeiten verbunden.

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