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Jüdische Rundschau · 1905-05-26 · 4 (26.5.1905) · p. Seite 27

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
4 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 No. 4 LITERATURBLATT Gestalten ider Geschichte, stolz zu sein, so sind es wahrlich nicht du» christlichen Theologen, sondern wir Juden, die wir diesen grossen Sohn unseres Volkes mit Fug und; Recht für uns in Anspruch nehmen müssen. Dem aber weiss die christliche Darstellung zu erwidern, dass sich die Juden dieses Rechtes begeben haben, indem sie ja Jesus nicht anerkannten und seine Lehre nicht annahmen. Wer so argumentiert, begeht aber immer' wieder den Fehler, den grossen historischen, gewordenen und verwandelten Jesus zu sehen, wie wir ihn jetzt sehen, als Vater einer Lehre, die jetzt in der Tat weit vom Judentum abweicht. Grade dieser Einwand ist aber ein schöner Beleg für die , Richtigkeit von Eschelbachers Darstellung. Als Mensch im Rahmen seines Volkes betrachtet, ist Jesus kein Sektenstifter gewesen, seine Lehre stand in keinem Gegensatz zu der Lehre und Moral seiner Zeit, er kam nicht, um zu bekehren, „nicht um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu bekräftigen.“ Er konnte lehren in den Schulen der Schriftgelehrten und bediente sich auf Schritt und Tritt der Worte des mosaischen Gesetzes und der Propheten. Darum war es auch für seine Zeitgenossen nicht nötig, sich zu ihm zu „bekennen“. Zwei Dinge aber wurden nach Eschelbacher wirklich zur Scheidewand zwischen ihm und seinem Volke. Zunächst dass er sich als den Messias fühlte undi ausgab. Mit dieser Tatsache, die er anerkennt, weiss sich auch Harnack nicht abzufinden. Und doch ist sie bestimmend geworden für Jesu Schicksal und! für die Lehre, die sich nach ihm nennt. Denn sein Volk erkannte ihn nicht als Messias an, und der Römer kreuzigte den „König der Juden“, den lästigen Prätendenten. Warum das jüdische Volk nicht ihn, wohl aber später Bar Kochba als Messias anerkannt hat, das ist ein schönes und tiefes Problem, und das Nachdenken darüber liefert wertvolle Ausblicke aut das Wesen und die Geschichte des Messliasbegriffs, der in den Köpfen der heutigen Juden eine heillose Verwirrung angerichtet hat. (Fortsetzung folgt.) R. Benjamin von Tudela und R. Petachjah aus Regensburg Ihre Zeit und ihr Verhältnis zueinander (Schluss.) In Regensburg,, das seit dem ersten Kreuzzuge noch öiSters der Schauplatz unschuldig jüdischen Butvergiessens war, lebte im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts ein angesehener Mann, mit Namen Rabbi Petachjah, der ein Bruder des bekannten Tossafiasten, R. Isaak ha-Laban (Schüler des Rabbeme Tarn.), war. Prag war der Wohnort R. Isaak ha-Labars. Wie um jene Zeit kein Land, so blieb auch Böhmen von Judenverfolgungen nicht verschont. 1196 erlitten die Prager Juden entweder den Märtyrertod,, oder sie nahmen, um demselben zu entgehen, das Scheinchristentum an, warfen aber, sobald. Kaiser Heinrich IV. die Rückkehr zum

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