Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 3 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 No. 3 LITERATURBLATT gerade einen königlichen Hofstaat entfaltete. Angeredet ward er von Juden: Unser Herr, Exilarch, von Arabern aber: Sajjidana Ibuda’ud!22) Seine Herrschaft erstreckte sich so weit, als das Szepter des arabischen Oberherrn) des Amiri all-Muminin reichte. Begab er sich zur Audienz, musste vor ihm her gerufen werden: „Aa ma'lu, tariq lesajüdana Iben-Daud,” (Machet Platz für unsern Herrn* dein Sohn Davids. (Vgl. Grünhut a. a. o. S. 54). Die freien Söhne Yemensi, wohin sein Hauptziel ihn führte, schildert er in folgender Weise: „Nach 21 Tagereisen gelangt man zu dein Juden Bug Reehab,23) den Bewohnern Themas. In Thema ist der Sitz des Fürsten Chanau. De Stadt ist gross,, ihr Gebiet ein Hochplateau . . ., umfasst eine 'Strecke von 16 Tagereisen. Sie besitzen grosse und feste Städte, leben frei und es fürchten auch die Nachbarn die Juden. Unter diesen gibt es Ackerbauer und Herdenbesitzer. Sie geben ab den Zehnten ihres Ertrages an Gelehrtq, die 'die Lehrstulbe nie verlassen, an Arme und namentlich an Asketen, die um Zions und Jerusalems willen trauern, kein Fleisch noch Wedln gemessen, sich schwarz kleiden, ihr Leben lang fastend und betend zubringen, dass sich der Ewige seines Volkes erbarme, um seines grossen Namens willen. Der Fürst von Talmasi, Schalmon, isit der Bruder des Fürsten Chanau . . . Schwierige Fragen bringen sie vor den Exilarchen .in Baghdäd, ihren Stammverwandten ... Sana’ ist Hauptstadt des Reiches. Die sämtlichem Bewohner des Landes zählen 300 000 Familien. Sanä‘ ist eine sehr liest© Stadt. Daselbst befindet sich der Palast des Fürten Schalmon. Eine ebeno grosse und feste Stadt, zwischen zwei hohen Bergen gelegen, ist Talmas,. Von dort nach Chaibar sind drei Tagereisen. Die Leute behaupten, die Nachkommen von Reüben, Gad und Halb-Menasche zu sein. Bis zui ihnen kann kein Mensch24) Vordringen, indem) der Weg durch Wüsten hinführt und 18 Tage lang dauert. Chaltar ist eine sehr grosse Stadt mit 50 000 jüdischen Familien, die Krieg führen mit den Babyloniern usw. (Ibidem S. 62 ff.) Schwierig war die Aufgabe, der sich R. Benjamin unter-zog, aber er hat sie gelöst. Gleichwohl ist aus der geplanten Massenauswanderung nichts geworden,, einfach, wie es scheint, darum* weil der Plan unausführbar schien. Die weite Reise,, sowohl zu Wasser wie zu Land, war zu jener Zeit mit unüberwindlichen Schwierigkeiten, oft von Gefahren begleitet* verbunden. Musste man nicht vor einem solchen kühnen Unternehmen zurückschaudern? Auf der einen Seite der Krieg, der täglich von neuem los,brechen konnte, auf der andern der Weg zu Wasser, der sichersich vielen Schrecken eisnflösste, auf welchen dann, wenn er glücklich zurückgelegt, eine 'lange Wüstenwanderuimg folgte, — welche dieser Gefahren war nun der Gefahr vorzuziehen, von der man zu flüchten gedachte? Der Gedanke war aber einmal angeregt und es sollte, wenn auch nicht bald und wenn auch nicht in der ganzen zuerst geplanten Tragweite, durch einen andern der Versuchgemacht werden, ihn zur Ausführung zu bringen. ——■-— (Schluss folgt.) 22) So auch bei Rabbi Petachjah. 2S) d. h. in feindlicher Absicht. 24) Später treffen wir tatsächlich eine jüdisch-böhmische Gemeinde in Krakau an.