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Jüdische Rundschau · 1905-05-12 · 3 (12.5.1905) · p. Seite 20

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
3 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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No. 3 20; LITERAT U^R BLATT Bundesgenossen volle Religionsfreiheit12) So endeten die fanatischen Westgoten und an den Stätten, wo säe ihr Unwesen trieben, in Cordowa, Qfänada, Malaga und selbst der Haupstadt Toledo erstanden im Verlaufe jüdische Gemeinden, welche die herrlichsten -Blüten trieben,13) auif den verschiedensten Gebieten der Wissenschaften. Indessen war Nordspanien noch im Besitze christlicher Fürsten geblieben. Beide Bekenntnisse sind in der Folge für die Juden der pyrenäischen Halbinsel verderblich geworden. Das 8., 9. und auch noch das, 10. Jahrhundert gingen glimpflich dahin. Ja oft war während dieser Jahrhunderte die Stellung der zerstreuten Söhne Jakobs so glänzend, dass der Gedanke, es könnte einmal anders werden, keinem beikommen machte. Gleichwohl kam es anders. Schon das 11. Jahrhundert fing blutig an und von da an folgte, wenn auch mit Unterbrechungen, Schlag auf Schlag. 1013 war Cordova der Schauplatz eines erbitterten Bürgerkrieges. Der berberische Häuptling Sulaiimän, der als Sieger hervorgingj, „zerstörte die Hauptstadt, Hess Frauen und Mädchen schänden, und brachte die reichsten Familien an den Bettelstab.” In die äusserte Not versetzt,-wandenten die Juden aus und liessen sich14) teils in Granada und Toledo, teils in Zaragossa nieder. Eine förmliche Judenverfolgung grösseren Stils brach seitens der Muslemin 1066 zum ersten Male in Granada aus, wobei über 1500 jüdische Familien, der edle Joseph Ibn Nagrela, Minister am granadischen Hofe, Sohn des unerreichten R. Schemuel Han-Nagid, an der Spitze,, ums Leben kamen.15) 11148 fiel Südspanien ausser Granada in die Hände der fanatischen Almafaden; damit war das Schicksal der Juden Andalusiens besiegelt. Viele nahmen zum Scheine, gleich den Juden Afrikas, den Islläm an,, die meisten aber wanderten nach dem christlichen Spanien aus. Hierzu, bemerken Chronisten: Frauen, Kinder und Eigentum der Auswanderer fielen den- Eroberern in die Hände und die Schwachen wurden als Sklaven behandelt:16) 14 Jahre später, 1162, teilte17) Granada das Los der .anderen südspanischen Gemeinden. Um diese Zeit wuchs die jüdische Gemeinde Toledos, die Hauptstadt Kastiliens, mehr als auf 12 000 Familien18) an. Indes „mit den christlichen Mächten war kein ewiger Bund zu flechten.” Die Begünstigung der Juden in Kastilien, bemerkt der vielfach erwähnte Historiker,19) „war nicht von langer Dauer.” Musste nicht unter solchen Umständen die toledämsche Gemeinde, die innerhalb eines halben Jahrhunderts kaum noch den Wanderstab aus der Hand legte, um ihre eigene, wie um ihrer über das ganze christliche Spanien zerstreuten Stammesbrüder Zukunft ernstlich besorgt sein? Das Horoskop verkündete 'unheilschwangere Zeiten. Ausserhalb der Grenzen 12) Ebenda S. 149. 13) S. Harkavy in tj (St. Petersburg 1902) S. 1 ff. . 14) Graetz Bd. VI, S. 17. 15) Ebenda S. 59. - 16) Ebenda S. 187. 17) Ebenda S. 190. 18) Ebenda S. 223. 19) Ebenda S. 189. ' :!.

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