Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 3 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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19 No. 3 _LITERATURBLATT Zeitungen von geringerer Bedeutung als die grossen Dichter, deren Werke im Jiidischdeutschen viel unmittelbarer aus dem Herzen quillen als in dem in Russland doch immer künstlichen und deshalb doch auch gekünstelten Hebräisch. Da sind vor allem Morris Rosenfield und J. L. Perez, aber auch David Pinski, dessen Erstlingswerke trotz ihrer breiten und oft weitschweifigen Programmreden doch schon künstlerisch zu hoch stehen, als dass sie es verdient hätten, unter dem Glanze des weissen Chemisetts eines sich freundlich zu den Juden herablassenden hyperbourgoismässigen Sozialdemokraten von seinen Schutzjuden über die Bretter gezerrt zu werden. Diese Dichter mögen zu welcher Partei immer gehören, sie sind integrierende (Bestandteile des neuen Aufbaues einer jüdischen Zukunft des Judenstammes. Das Hebräische und das Jüdischdeutsche schliessen sich nicht aus, sondern bedingen sich gegenseitig. Es kommt darauf an, ihre Gebiete zu begrenzen. Oertlich ist das leicht. Denn das Hebräische ist die für Palästina unumgänglich notwendige Sprache, ebenso wie es für Osteuropa immer nur ein Kunstprodukt sein wird. Das Jüdischdeutsche muss dort immer mehr zur Kultur- und Literatursprache sich auswachsen, wo es jetzt noch die Volks- und Familiensprache der Juden ist. In allen andern Ländern und auch in den Ländern der jüdischdeutschen Volkssprache muss das Hebräische als das nationale Band gepflegt werden, das die Juden aller Länder und aller Generationen von den ersten Anfängen an bis in die fernste Zukunft unauflöslich verbindet. Darum aber ist die Jüdischdeutsche Volkssprache ebenso wenig wie das Spagnolische eine Gefahr für das Hebräische, sondern seine natürliche und notwendige Bundesgenossin. Wir müssen die falsche Scham ablegen, die wir dem Jüdischdeutschen gegenüber empfinden, müssen vor allem das dessen Seele mordende Schimpfwort Jargon verbannen und einsehen, dass wir ebenso wie in Palästina mit dem Hebräischen in andern Ländern auf Grund des jüdischen Volksdialekts die nationale Zukunft und die stammestümliche Kultur auf bauen müssen. Heinrich Loewe. R. Benjamin von Tudela und R. Petachjah aus Regensburg Ihre Zeit und ihr Verhältnis zueinander (Fortsetzung,) Im Jahre 694 machte ein Edikt des Königs Egica sämtliche Juden Spaniens zu Sklaven.11) Diesem unerträglichen Zustande machten aber die unter dem Anführer Tarife aus Afrika vordringenden Araber, mit welchen die zu Tode gemarterten Juden gemeinschaftliche Sache machten, um 711 ein Ende, Unterstützt von den Juden fiel Südspanien, Andalusien, in die Hand der siegenden Muhammedaner; zum Lohne dafür gewährten diese ihren jüdischen 11) Ebenda S. 148.