Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- 1 (14.4.1905)
- Date
- 1905-04-14
- Page
- [Seite 17] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 LITER ATU RBLATJT_ No.l hatte. Man sprach und schrieb damals verschiedene Sprachen hier, wie, das gewöhnliche Italienisch, Arabisch, Griechisch,. Hebräisch usw.t, und man duldete nebeneinander Kirchen, Moscheen und Synagogen und griechischen. muhaimmedanischen״ römischen und hebräischen Ritus. Vergessen in der Geschichte durch mehr als drei Jahrhunderte, in die alle •die bunt wechselnden politischen Begebenheiten fallen von den Kämpfen zwischen Welfen und Ghibellinen angefangen bis zur sizilianischen Vesper und von dieser Ibis zur spanischen Herrschaft und zur Einführung jener historischen Schande in Palermo, wie sie die hl. Inquisition war, finden wir wieder die Juden Siziliens erwähnt im Jahre 1469, als sie am 30. November mit vierhundert auserlesenen Jünglingen, die mit kostbaren Gewändern geschmückt, tanzten und Spiele aufführten, an der Prozession zur Feier der 'Heirat Ferdinands, Sohnes des Königs Johann von Äragonien. mit Isabella von Asturien teilnahmen. Aber vielleicht war es gerade dieses Grosstun mit dem Reichtum, das den Untergang der Juden bestimmte: Im Jahre 1479 starb König Johann und den Thron bestieg sein Sohn Ferdinand, der wegen seiner Vertreibung der Mauren aus Granada den Titel ״katholischer König” führte (1492). Habgierig und ehrgeizig, wie er war, machte er sich keinen Skrupel daraus, sich des religiösen Fanatismus als Waffe zu bedienen, um die Unterdrückung und Aechtung aller Juden der Insel zu vollführen. Er erliess!in der Tat ein Dekret,., des Inhalts, dass jeder Jude, der sich noch nach drei Monaten in Sizilien befinde, sich auf die Todesstrafe gefasst machen müsse. In jener Zeit gab es auf der Insel fast hunderttausend Juden. Das unselige Dekret verursachte auch unter der nichtjüdischen Bevölkerung der grossmütigen Insel, die die Juden liebte und schätzte, einen! Zustand der Trauer, und die Vertretung der Pailermitaner Bürgerschaft zögerte keinen Augenblick, einen entschiedenen Protest gegen jenen tyranirischen Akt, der die Humanität, die Gerechtigkeit und die Konstitution Siziliens verletzte, zu fassen und ihn dem Vize-König zu׳ übersenden׳. Die scharfe und heftige Sprache jenes Protestes in einer Zeit, wo ,die Inquisition herrschte, ist ein mehr als augenscheinlicher Beweis dafür, dass dieses stolze Volk zwar besiegt, aber nicht. gebändigt war. Unnütz jedoch war der Protest, unnütz jeglicher andere Schritt. Durch ein neues Dekret bestimmte der elende Monarch sogar, dass bei! dem Auszuge aus dem Reiche ein jeder Jude nur ein gebrauchtes Kleid, eine Matratze, eine Decke, ein paar Betttücher, wenige Lebensmittel für die Reise und die Summe von drei Tari (entspricht einer Mark) mit sich nehmen dürfe. Da verlangten die unglücklichen Juden wenigstens einen Aufschub für d!ie Reise, und da er ihnen auf ihr Bitten hin nicht gewährt wurde, so erlangten sie ihn für Geld, indem sie dem habgierigen Ferdinand fünftausend Goldflorine zahlten, die, wenn man die Verschiedenheit zwischen dem Ökonomischen Werte des Geldes von damals und dem heutigen in Betracht zieht;, mehr als zwei Millionen ,italienischer Lire ausmachen würden. Der unselige Termin rückte näher; von der ganzen Insel strömten in grossen Zügen die untröstlichen Geächteten mit ihren Greisen tmd