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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 181

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 181 (sequence 219)
Language
German
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IRI
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Im Triumphbogen des Titus stellte der stolze Römer das Grabmal auf die jüdische Nation, die er endgültig niedergerungen wähnte. An dem kahlen Gemäuer der „Köthel Hamaarabi" nistet die nie erloschene jüdische Trauer um den Verlust des Tempels und des Reiches. Es ist der Sammelplatz, wo das jüdische Volk seit zweitausend Jahren tagtäglich ohne Unterbrechung seine Hoffnung nährt, seine Sehnsucht tränkt und seinen Lebenswillen erneuert. Um den Titusbogen drängen sich die „Römlingen", die sich mit der Zeitgeschichte abfinden und mit dem Schicksal Frieden schließen möchten. An der Klagemauer wallfahren ohne Unterlaß die Kinder jener Heroen, die sich um dieses Stückchen Mauer von Titus niederschlachten ließen. Die „Söhne der Treuen", die trotz der Entfernung zweier Jahrtausende ihren Ursprung nicht vergessen haben. Am Titusbogen steht Josef Flavius mit lässigen Händen und findet sich ab. An der Klagemauer begann „Jochanan ben Sakkai" inmitten der Zerstörung durch die Römer den Bau der jüdischen Hoffnung, der bis zum heutigen Tage nicht unterbrochen wurde. Hier die Hoffnung und Bejahung des Judentumes. Dort die Verzweiflung und Verneinung. Im Titusbogen triumphiert die römische Macht über das physische Judäa. An der Klagemauer triumphiert der jüdische Geist, den auszurotten den Römern ine gelingen konnte. Die Klagemauer ist die ewige Mahnung an das Weltgewissen, das zweitausend jähr ige Unrecht wieder gutzumachen. Der Titusbogen die Aufforderung an das jüdische Volk, sich der römischen Macht zu unterwerfen und sich ins Unvermeidliche zu fügen. Doch heute, wo sweitausendjähriges Beharrungsvermögen sich den Auflösungsbestrebungen entgegenstemmt, heute, wo das Weltgewissen daran wirkt, das, was Titus einst zerstörte, wieder aufzubauen, ist der Endkampf bereits entschieden. Rom, das uns zweitausend Jahre unterjochte, hat vor Jerusalem kapituliert. Jochanan hat Flavius besiegt. Die Klagemauer kündet unsere Unsterblichkeit, der Titusbogen die Vergänglichkeit der römischen Macht. Die „Köthel Hamaarabi" ist zum Triumphbogen des Judentums, der Titusbogen zur Klagemauer unserer Assimilation geworden. # Die Initialen zum Jüdischen Jahr" zeichnete Herr Sraga Weil, Bratislava. 181

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