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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 178

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 178 (sequence 216)
Language
German
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Kraft und Begeisterung schöpften, haben wir nie aufgehört zukunftsfroh zu sein. Wenn auch in tiefer, sternenloser Galuthnacht dem jüdischen Volk kein fahler Lichtschein einer helleren Zukunft mehr winkte und Hoffnungen aus dem jüdischen Herzen nicht mehr hervorzukriechen wagten, wenn wir an der Gegenwart auch ganz verzweifelten, war es immer wieder das „Freiheitsfest", an dem, wenn nicht wir, so zumindest die „Jünger", unsere nächste Generation, die, wie den „Weisen in Bne Brak" in einer lichtlosen Zeit unserer Geschiente, da römische Legionen Judäa tottrampelten, Morgenröte ankündigten. Und weil uns die Gegenwart nur Vermittler von Vergangenheit und Zukunft, das Bindeglied zwischen Gewesenem und Werdendem, ist, weil uns die Geschichte keine Sammlung von Episoden, sondern eine Kette von zusammengehörigen Gliedern ist, getragen von dem Gedanken der Ewigkeit, darum sind wir nicht bloß ein Volk der Antike, sondern ein Volk der Moderne und ein Volk der Zukunft. Das wir hinter unserer Vergangenheit nie den Schlußpunkt setzten, sondern immer nur „Fortsetzung" sein wollten, darin liegt das Geheimnis unserer Unsterblichkeit eingekapselt. Unsere Partner, mit denen wir vor viertausend Jahren die Bühne der Weltgeschichte betraten, hatten den Sinn der Geschichte nie verstanden. „Der neue Pharao kannte nicht mehr den Joseph", berichtet uns die Bibel. Die ägyptischen Generationen, die hinter sich die Türe zur Vergangenheit zuschlugen, wollten stets Anfang einer neuen Epoche sein. Indem sie aber die Vergangenheit einbalsamierten, begruben sie auch ihre Zukunft. Was von ihnen übrig blieb, sind Pharaonengräber, Pyramiden und versteinte Mumien. Und nun liegen sie da, die Wahrzeichen weltlicher Tyrannei, die Sinnbilder irdischer Macht, als Überreste einer längst verklungenen Zeit. Da sind sie nun die stolzen Ahnherren aller Hascher und Raffer des1 Mamons, die da glaubten durch pyramidale Steinkolosse, durch gigantenhaftes Anhäufen von totem Material sich der Ewigkeit versichert zu haben. Da sind sie nun die einstigen Zwingherren unserer Ahnen, die Unterdrücker der Freiheit, der Gesinnung, des Gewissens, nun Musealobjekte kulturhistorischer Sammlungen. Als tote Reliquien einer ausgestorbenen Rasse künden sie heute nur mehr die Vergänglichkeit der Materie. Wir aber, die Epigonen der Lehmkneter und Ziegelbrenner in Goschen, die als erste Freiheitsherolde der Weltgeschichte bewiesen haben, daß wir auch in Ketten frei sein können und als Träger der Wahrheit und Gerechtigkeit den stolzen Weltenbau der Ägypter in Trümmer schlugen, künden der Menschheit den Ewigkeitswert des Geistes. Darum können wir auch als Leidende die „Tage der Freiheit" feiern, weil wir auch als Leidende im Dienste einer gro- 178

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