Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 215)
- Language
- German
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- IRI
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de, hat sich im Laufe unserer zweitausendjährigen Diaspora unzähligemal wiederholt. Doch darin liegt die große Tragik des jüdischen Volkes, immer wieder dem freien Lauf eines vagen Intriguenspieles ausgeliefert zu sein. Die Juden in Susa hätten wohl ruhig und sicher in Palästina leben können. Koresch, Ahasweros Vorgänger, hatte Palästina den Juden als Heimland zurückgegeben. Doch während Esra und Nechemia, die Zeitgenossen Mordechajs und Esthers, unverdrossen und unter größten Entbehrungen an der Wiedererrichtung des jüdischen Heimlandes hämmern, hüllt sich die Judenheit von Susa in den Mantel des nationalen Persertums und glaubt sich durch Assimilation in fremder Umgebung vor allen Gefahren sicher geborgen. Vom neuerwachten Erez Israel wollte das Diasporajudentum Persiens nichts wissen. In der Megillath Ester wird das neuerstandene Judäa mit keinem Wort erwähnt. Darum ist wohl Assimilation in unserem Falle nicht das, was in der Natur sich als Notwehr ergibt, sondern freies Spiel, getragen von Narretei und Übermut. Darum will auch Gottes Name in der Megillath Esther nicht genannt werden. Darum läßt uns aber auch unsere Tradition das Purimwunder nicht durch erhabene Betrachtungen, sondern einzig und allein durch Kasperliaden und Mummenschanz feiern, weil wir die Rolle eines Hanswurst gespielt haben und noch immer spielen. # essadh Wieder weckt unser Freiheitsfest Geulahoffnungen in uns wach und versieht den ewig Harrenden, den ewig Wandernden mit Wegzehrung für weiteres Hoffen, für weiteres Ausharren. Wieder steigen wir hinab in den Schacht unserer Vergangenheit, um uns Trost für die trostlose Gegenwart heraufzuholen. Seit unendlichen Zeiten immer wieder dasselbe Spiel. Ein ewig Gefesselter lebt in der Erinnerung an den Anfang seiner Geschichte, da er einmal die Sklavenkette sprengte, und blickt sehnsuchtsvoll über die Enge seiner Gefängniszelle in die Zeit der gewesenen und kommenden Freiheit. Weil wir aber nicht nur voraus, sondern immer wieder auch zurückblicken, weil uns unsere Vergangenheit die Quelle ist, an der wir auf der langen Wanderung durch die ungastlichen Steppen und Wüsten der Weltgeschichte immer wieder 12 177