Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 212)
- Language
- German
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In diesen unbeständigen, mit der Erde nur lose verbundenen Hütten wohnt der Jude seit zweitausend Jahren und feiert sein Erntefest, indem er sich das Land der rauschenden Palmen, der goldenen Paradiesäpfel vorzaubert. Mit dem Festesstrauß der ,,arba minim", der ihm die Illusion seiner einseitigen Heimat vorgaukelt, umkreist er acht Tage die Thora, den Nährstrom und Kraftspender unserer sittlichen und geistigen Welt, als wolle er damit die nationale Heimatlosigkeit durch die geistige Bodenständigkeit der Thora ersetzen. Der Festesstrauß will uns aber in seiner sinnreichen Symbolik über die Sukko, das Wahrzeichen unseres Ahasverloses herausheben. Der balsamische Odem unserer Urheimat, der uns aus diesem exotischen Festesstrauß entgegenweht, regt in uns Geula-Hoffnung wach, die Hoffnung auf die anbrechenden Jahre kommender Erntefeste unserer wiedergewonnenen Heimat, das Lebenelixir, daß das alte Wandervolk immer wieder verjüngt und ihm in seinem freudlosen Galuthdasein immer wieder Trost bietet. Die „arba minim", die uns „Zeltenbewohner" in unserem unaufhörlichen Wanderleben begleiten, erzählen uns aber auch von der inneren und äußeren Mission des Judentums. Der „,Ethrog", der nach den Auslegungen unserer Weisen das jüdische Volk symbolisiert, gewinnt an Wert und Bedeutung, nur wenn es umgeben wird von der „Palme", — das Symbol des Friedens —, von der „Myrthe" — das Symbol der Ehe — und von der „Bachweide" — das Symbol der sozialen Ausgleichung. Das jüdische Volk, das als erstes in der Welt das Prinzip des Friedens unter den Völkern, der Familientreue im engsten Kreis und der sozialen Gerechtigkeit unter den Menschen im weitesten Sinn verkündet hat, präsentiert seine Eigenart und seine Aufgabe in der Völkergemeinschaft nur wenn es sich diesen, durch seine Propheten fest umrissenen Idealen hingibt. Diesen Idealen zu dienen, heißt Judentum und Menschheit versöhnen. Die Sukkah ist uns aber auch Trost und Gewähr, daß man Gefahren und Stürmen der Zeit in bescheidenen, völlig ungeschützten Hütten überdauern kann. Sowohl als Schicksalsgemeinschaft wie als Einzelindividuen. Voraussetzung ist allerdings, daß wir das Volksschicksal als Privatschicksal empfinden lernen und uns auch im Privatleben mit der Volksgemeinschaft schicksalhaft verbunden fühlen. Der aufrechte, stolze Lulav muß neben der bescheidenen Bachweide Platz finden und der feinkultivierte, duftende Ethrog neben der geschmack- und anspruchslosen Myrthe. Eine Lehre und Mahnung, daß wir immer und überall in uns einig zusammenstehen sollen. Die Sukka lehrt uns aber auch, in Zeiten der Not sich selbst zu bescheiden und sich in Entbehrungen begnügen. Die Sukka darf kein stolz aufgeblähtes Luxusgebäude sein. Sie 174