Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 211)
- Language
- German
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stern. Sowonl unser Schicksal als Mensch, wie auch unser Schicksal als Volk. Allerdings dürfen wir nicht im faulen Zustand des tatenlosen Hoffens verharren, sondern müssen uns unserer persönlichen Verantwortlichkeit an unserem Geschick bewußt werden. Stellen wir also statt Resignation und Verzweiflung Mut und Willen zur Tätigkeit in den Vordergrund unseres Denkens. Versuchen wir durch organisierte Selbsthilfe, durch gemeinsame Bekämpfung der Not, durch Zusammenschluß im eigenen Lager, durch selbstlose Opferbereitschaft und mitfühlende Nächstenhilfe den schrecklichen Erscheinungen der Gegenwartsnot beizukommen. Beteiligen wir uns an den geistigen, sozialen, politischen und vor allem jüdischen Wiederaufbau unseres Volkes und helfen wir uns und der Welt moralisch und wirtschaftlich zu gesunden. Wenn wir das neue Jahr zu einem Jahr der Tat gestalten, dann wird es auch ein Jahr der gütigen Schicksalswende werden. Ein sonderbares Erntefest, daß das dem geistigen Heimland entwurzelte ewige Galuthvolk da feiert. Karg und winzig ist das auf fremdem Boden erworbene Gut. Keine gefüllten Tennen, keine vollgepfropften Scheunen, keine überladenen Kelter, bloß eine einzige ungenießbare Frucht eines fernen, exotischen Baumes ist das ganze Erträgnis seiner Lese und Ernte. Feldern, Wiesen, Gärten ist menschliche Nahrung für ein Jahr abgerungen. Bauer und Winzer können sich nach arbeitsreichen Tagen eine Zeit lang Wintersruh gönnen. Doch die sorgenfreie Behaglichkeit, die Saturiertheit des Gesättigten, das wohlige Bewußtsein der eingedeckten Kornkammer und der enthobenen Nahrungssorge, ist dem Juden fremd. Keine getürmten Heuschober künden in seinem Hof das Werk vollbrachter Feldarbeit. Leer sind seine Speicher, öde seine Scheuer. Doch der Jude feiert Erntefest. In einer leichtgezimmerten Nomadenhütte, die mal hier, mal dort aufgerichtet und wieder abgetragen wird, mit ein wenig Grün, das ihm nur schwachen Schutz vor den Unbilden der Witterung gewährt, als Dach, freut sich der Jude unter den verschiedensten Himmelsrichtungen, zu den entlegensten und unwirklichen, in manchen Weltteilen mit der Ernte in keinem Zusammenhang stehenden Jahreszeit, der Ernte, die nicht er eingeheimst. 1 " ~.f^'jf^ 173