Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 196)
- Language
- German
- Belongs to
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JULIUS GABEL, geboren 8. Mai 1858 in Künmadaras, gestorben 27. Januar 19J+0 in Budapest. — Ein Gedenkblatt — Der pensionierte hauptstädtische Lehrer, Redakteur, der berühmte Verfasser der Methode des Lesen- und Schreibenlernens für Analphabeten, Pionier des Zionismus in Ungarn, ist am 29. Januar im jüdischen Friedhof zu Budapest in aller Stille begraben worden. Der engste Familienkreis, ein einziger Freund und Oberrabbiner Hevesi begleiteten ihn auf seinem letzten Gange. Das Bild, welches der Oberrabbiner von der zwei Menschenalter hindurch währenden Tätigkeit Gabeis für das Judentum entworfen hat, stand im seltsamen Kontraste zur befremdlich kleinen Beteiligung an seinem Begräbnisse. Auch die Presse nahm kaum Notiz vom Hinscheiden eines Kollegen. Das legt uns die doppelte Pflicht auf seiner in Ehren zu gedenken. Julius Gabel konnte mit 16 Jahren noch nicht Ungarisch lesen oder schreiben. Ein Geistlicher lehrt ihn Beides aus Menschenliebe. Aber mit 21 Jahren legt der junge Gabel schon die Prüfung als Lehrer ab und wird später Kommunallehrer in Budapest. 1895 gibt er mit Dornbusch die unabhängig-zionistische „Ungarische Wochenschrift" heraus, die er 20 Jahre lange erhalten konnte. Er stand mit Herzl und Nordau in Korrespondenz, die sich noch in seinem Nachlasse befindet. Die „Ungarische Wochenschrift" diente der Preßburger zionistischen Landeszentrale, ohne jede Subvention, als Organ der Bewegung, als unersetzliches Mittel der Organisierung des ungarländischen Zionismus. Das Blatt bildet auch die beste Quelle für die Genesis des Zionismus im alten Ungarn. An der I. zionist. Vertrauensmännerkonferenz in Preßburg Landeskomiteemitglied für Budapest gewählt. Der Preßburger Ahawath Zionverein hat 1902 seine ungarische Ubersetzung von Nordaus „Der Zionismus" herausgegeben. Er machte in der Ugandafrage heftige, fast persönliche Opposition gegen Herzl und war in Ungarn der einzige Parteigänger Ussischkins in dieser Frage. Das führte zum Bruche mit der Preßburger Landeszentrale. Seine Lehrmethode für Analphabeten wurde in zehn Sprachen übersetzt und in der österr. -ungarischen Armee eingeführt. Er hielt darüber vor dem deutschen Kaiser und Kaiser-König Karl Vortrag. Zu seinem Prachtalbum zum Andenken der Königin Elisabeth konnte der tüchtige Agitator sich die Mitarbeit aller Mitglieder des Herrscherhauses und aller Spitzen des Staates erwerben. „Sein Charakterbild schwankt in der Geschichte." Hier soll aber bezeugt werden, daß der innerste Kern seiner Seele idealistisch war und daß er dem Psalmdichter folgend „gerecht unter Gerechten und unbillig mit dem Unbilligen" gewesen ist. 162