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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 160

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 160 (sequence 194)
Language
German
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In Goldbuchstaben leuchtete von dem Portal der Kirche in mächtigen Lettern der Spruch: „A solis ortu ad occasum laudabile nomen domini." Mit verschränkten Armen blieb der Bischof vor dem Portale stehen, betrachtete mit sichtbarem Wohlgefallen dessen eindrucksvolle Architektur und wandte sich schließlich mit den Worten an den Bürgermeister: „Haben Sie wohl von der Schule her noch so viel Latein behalten, Herr Bürgermeister, um mir diesen Spruch übersetzen zu können?" Verwundert blickte der Bürgermeister auf: „Gewiß, Eminenz! Er bedeutet: Vom1 Anfang der Sonne bis zum Niedergang sei gespriesen der Name des Herrn!" „Und woher stammt wohl dieser Spruch?", fragte der Bischof weiter. „Aus den Psalmen Davids!", war die Antwort. „Valde bene" (sehr gut), nickte der Bischof befriedigt und ging weiter, bis man wieder an den Eingang der Judengasse kam. Diesmal schritt er unter dem Draht des Eruw hindurch, ohne sich aufhalten zu lassen, blieb einige Häuser danach vor einem schmucklosen Bau stehen, der sich nur dadurch von den Nachbarhäusern unterschied, daß er etwas hinter der Front der anderen Häuser stand, und betrachtete eine Inschrift, die in hebräischen Lettern dort angebracht war. Die Inschrift lautete: „Mimisrach schemiesch ad mebao mehullal schem adonai!" Nach einer kurzen Weile des Schweigens wandte sich der Bischof an den Kanonikus: „Reverendissime, Sie sind ja ein tüchtiger Orientalist! Was mag der Spruch da oben wohl bedeuten?" Der Gefragte sah ihn erstaunt an, denn er wußte, daß der Bischof selbst ein genauer Kennner der orientalischen Sprachen war und erwiderte: „Er ist der gleiche Spruch, der auch auf unserer Domkirche steht, der nämliche Psalmvers im hebräischen Urtext, und er bedeutet: „Vom Anfang der Sonne bis zu ihrem Niedergange sei gepriesen der Name des Herrn!" Der Bischof schaute mit festen Blicken zuerst den Kanonikus, dann den Bürgermeister an und sagte dann, mehr zu sich selbst redend: „Es ist merkwürdig! In der Höhe steht für alle das nämliche geschrieben, — aber unten können sie nicht schauen, was oben geschrieben steht!" Dann wandte er sich zurück und sprach auf dem ganzen Heimweg kein Wort mehr. . In Nitra befand sich ein Gymnasium, das der Oberhoheit des Bischofs unterstand, der nicht nur geistlicher, sondern 160

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