Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 193)
- Language
- German
- Belongs to
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Was in der Höhe geschrieben steht — Eine besinnliche Historie aus Nitra. — In Nitra hatte vor fast hundert Jahren ein Prälat den Bischofssitz inne, der als einer der edelsten Kirchenfürsten seiner Zeit galt, Bischof Emmerich von Palugyay. Neben der Fürsorge für das Seelenheil seiner Diözesanen war er auch darauf bedacht, Not zu lindern und die Armen zu unterstützen, soweit es in seinen Kräften stand. Besonders in den Zeiten vor den heiligen Festen seines Glaubens sah er als seine erste Pflicht an, sich der Bedürftigen anzunehmen, und so ging er in Begleitung seines Kanonikus und des Bürgermeisters durch die Stadtteile, in denen die Ärmsten hausten, um ihnen das kommende Fest durch persönlich dargebrachte Spenden so froh zu gestalten, als es in der Möglichkeit seines Könnens lag. An einem solchen düsteren Winterabend war es, als der Bischof mit seiner Begleitung aus einem dürftigen Hause auf die Straße getreten war. An der Ecke zweigte eine düstere Gasse ab, und hastig zogen ihn seine Begleiter nach einer anderen Richtung. Fragend wandte sich der Bischof an den Bürgermeister, aus welchem Grunde er ihn von dieser Straße fernhalte, in der gewiß doch auch der Gaben wartende wohnten. Der Bürgermeister deutete mit einem vielsagenden Blick in die Höhe, wo sich von dem Erker des einen Hauses zu dem des andern ein dünner Draht spann. Es war der „Eruw" der Judengasse, der Draht, der als Symbol einer Mauer die Gasse einschloß und das Tragen von Gegenständen am Sabbath ermöglichte. Leise flüsterte der Kanonikus seinem Herrn zu, und er benützte dabei die Sprache der Gelehrten, damit das Gefolge ihn nicht verstünde: „Eminentissime, ista est colonia Judaeorum ..." (Eminenz, dies ist die Judengasse!) Palugyay warf einen Blick in das Dunkel der Gasse, schaute dann seine Begleiter an und meinte ruhig und ernst: „So, so — die Judengasse!" Und nach einer kaum merklichen, aber fühlbaren Pause setzte er hinzu: „Darinnen gibt es wohl keine armen Kinder?" Der Bürgermeister schaute ihn verdutzt an. Arme Kinder und arme Eltern gab es sicher genug in jenen kleinen finsteren Häusern, aber konnte man damit den Herrn Bischof belästigen? Der Bischof wartete denn auch keine Antwort ab, sondern kehrte um und schritt, ohne ein weiteres Wort an die Herren zu richten, dem Mittelpunkt der Stadt zu, wo die hohe Kathedrale der Stadt in die Dunkelheit emporragte. 159